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Wym
XI. Jesu Todesurtheil.
Jesus, der Unschuldigste, wird auf die Zudringlichkeit und Drobung der Juden von. dem schüchternen Landpfleger Pilatus zum Tode verurtheilt. Was hat er dann Uebels gethau. fragt selbst dieser, und dennoch übers giebt er ihn seinen Feinden zur Kreuzigung.. Er wäscht zwar die Hände, und ruft laut vor dem Volke: ,, Ich will keine Schuld has ben an dem Tode dieses Gerechten.". Aberdiese Ceremonie rechtfertigt ihn nicht. Er hat dadurch nur sein Verbrechen vergrößert, indem er das Ungerechte seiner Nachgiebigkeit bestätigte. Wie viel Böses wird doch gethan, wie viel Gutes unterlassen, weil man sich ,. wie Pilatus, mehr fürchtet, den Menschen, als Gott zu mißfallen. Lasset uns daher, so oft wir eine Pflicht zu erfüllen haben, nicht nach dem Lobe oder Tadel der Menschen fraz gen, sondern einzig auf den Willen Gottes schauen, und diefen, wie Jesus, vollbringen.
Stärke uns, o Jesu, damit wir die un gerechten Urtheile der Menschen mit Sanft muth ertragen; und laß uns in unserm ganzen Betragen einzig auf dich und deinen heiligen Willen hinsehen, damit wir uns niemal durch Lob oder Tadel der Menschen


