Druckschrift 
Christliches Gesangbuch für die Evangelisch-Lutherischen Gemeinden im Fürstenthum Osnabrück : zum Gebrauch beym öffentlichen Gottesdienste und bey der Haus-Andacht ; nebst dem gewöhnlichen doppelten Anhange [Lieder-Anhang [und] Gebethe [und] Die Epistolischen und Evangelischen Texte [...]]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

90

Nachricht von der Zerstörung

fung des unschuldigen und hei- flissen, das Volk zur Empörung ligen Blutes Jesu Christi auf gegen die Römer zureizen. Daz fich geladen. her entstand in mehrern Gegen­Jofephus erzählet verschiede- den des Landes ein häufiges und Florus dene vor dem Ausbruche dieser Blutvergießen Gerichte Gottes hergegangene ließ selbst bey einem solchen Auf­Zeichen; allein die sicherste und stande in Jerusalem über 3000 nahefte Anzeige davon war wol, Juden erschlagen, und viele der das sich in dem Füdischen Rei: angesehensten geiffeln und freu­dhe immer weiter ausbreitende zigen. Die Juden suchten zwar ganzliche Berderben. Man in diesen Bedrängniffen bey dem verließ nun völlig die heiligen Syrischen Stabthalter Cestius Gesetze Gottes, setzte die ganze Gallus Hülfe; allein Florus Religion nur in eine aberglaus wuste nicht nur solches zu vereis bische Beobachtung aufferlichersteln, sondern auch die Unrus Gebräuche, und überließ sich hen also zu vermehren, daß end­mit einem frechen Leichtsinnlich Cestius genöthiget war, allen Lastern. Daher nahmen mit einem Heere anzurücken, mit Unordnungen und Spaltungen welchem er nach Verwüstung in allen Ständen immer mehr vieler Städte, in Jerusalem überhand; Jerusalem und die drang, die Juden in den Tem­ganze Land war mit Räubern pel einschloß, und den Kriege und Mördern angefüllet, und würde ein Ende gemacht haben, die ganze Nation beforderte ih wenn nicht die Juden schwe ren Untergang durch ihre eigene rern Gerichten waren aufbehal. Zerrüttung mehr, als die Ge- ten gewesen; so aber verleitete walt der Romer. Florus den Cestins durch List Diese beherrscheten seit den und Verrätherey zur Verzöge Beiten Jesu Christi das jüdische rung, die Juden gewannen. Land durch) Landpfleger, wel- Zeit zur Gegenwehr, und nd­che durch Geiz und Härte das lhigten sogar den Syrischen römische Joch den Juden noch Stadthalter mit einem sehr bes unerträglicher machten. Gef- trächtlichen Berlust zum Abzuz fius Florus, der zuletzt diese ge. Dieser anscheinende Vor­Etelle verwaltete, übertraf theil vermehrte ihnen zu ihrem hierin alle feine Vorgänger. Unglück den Muth. Die da Er beförderte alle Unordnun- Imals fast allgemeine Erwarz gen, auch selbst die öffentli- tung eines irdischen Erretters chen Räuberéven, wenn er nur und mächtigen Beherrschers feine unerfåttliche Gewinnsucht stärkte ihre citle Hofnung, und daben befriedigen konnte: ver: der Krieg wider die Romer grif sich sogar an dem Schak ward mit großer Heftigkeit be­des Tempels, und war recht geschlossen. Man machte dazu über