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Geistliche Lieder, Gebete und religiöse Betrachtungen / von Elisa von der Recke
Entstehung
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Vor uns dahin unaufhaltsam cilet die Zeit! un­erseßlich ist ihr Verlust, wenn wir stille stehen; der Stillstand im Weiterstreben zur Vollendung ist ein Rückschritt, eine Entfernung von dem uns vorge­steckten Ziele. Jede Stunde, deren Aufforderung wir nicht erfüllen, ist eine beraubte Stunde! wir können ihr, wenn sie dahin ist, unsre Schuld nicht mehr abtragen. Wenn der Leichnam eines gelieb­ten Wesens vor uns dahingetragen wird, dann fra­gen wir uns mit dem bangen Gefühl der Wehmuth: haben wir alles geleistet, was wir schuldig waren der geliebten Seele, die von uns hinwegging? Die­selbe Bewandniß hat es auch mit dem von uns ge­schiedenen Tage.

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Mancher Tag der Anfechtung und Betrübniß hat mich vielleicht unzufrieden gemacht; manche Ge­legenheit habe ich wohl verabsäumet, die Zufrieden­heit Anderer zu befördern; mancher Lieblingsneigung habe ich wohl mehr, als Recht ist, nachgegeben, oder gar den Sieg über mich eingeräumt; manches­mal hat mich noch die Ungeduld mit den Schwächen meiner Mitmenschen überrascht. Ja, ich fühle es, daß ich nicht auf der Stufe der Vollendung stehe, die mit ungetrübter Freudigkeit mich in das Innere meines Lebens blicken läßt. Mancher Kampf mit mir selbst steht mir noch bevor; aber ohne Kampf ist kein Sieg, ohne mühevolles Streben keine Vollen­