Druckschrift 
Geistliche Lieder, Gebete und religiöse Betrachtungen / von Elisa von der Recke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

126

bewußt; denn es erwirbt sie nicht, sie sind mit ihm zugleich da; es ist der ewige Geist des unendli- d chen Lebens, der gleichsam unmittelbar in dem Thiere sich reget und wirkt! Aber wie hoch ragt über das Thier empor der Mensch! Das n Thier weiß, der Mensch lernt; das Thier hat Dasein, der Mensch erwirbt Leben! Leben!

Welchen Reichthum von Anlagen und wach- 100 senden Kräften spricht dies Wort aus!- Le­ben ist Bewußtsein,- selbstthätige, freie Kraft, zu begehren, zu streben, zu erwerben; eine Kraft, die nicht in rücksichtlosen Trieben, sondern in der überlegenden, umsichtigen Vernunft ihre Ge seze findet: Recht und Unrecht kommen hier zur Sprache!- Der thierische Trieb fällt ohne Um­stände über den Gegenstand seiner Begierden her, ihm ist keine Verantwortung abzufordern.- Der Mensch, mit dem innern Auge der Anschauung begabt, betrachtet den Gegenstand seines Begeh­rens, und erkennt die Bedingungen der Umstände, die den Erwerb, das Sichzueignen des begehrten Gegenstandes gestatten oder verweigern: ihm liegt Verantwortung ob. Und wer ist denn die Herrschermacht, welcher er solche Verantwortung abzulegen hat? Die Vernunft, diese Himmels­tochter, die frei für zwei Welten lebt, die an das irdische Dasein das himmlische knüpft; die

H