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Geistliche Lieder, Gebete und religiöse Betrachtungen / von Elisa von der Recke
Entstehung
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Wie besteht heute mein Leben vor diesem Ge­lübde? Wie besteht es vor den Lehren und Vorschriften, die uns der göttliche Heiland des Menschengeschlechtes als ein heiliges Vermächt­niß, als den Schlüssel zum Himmelreich zurück­gelassen hat? Liebe Gott über alles, und

liebe deinen Nebenmenschen wie dich ſelbst. // Dies Gebot des allgemeinen Wohlwollens, der unbedingtesten Menschenliebe, wie hat es sich in meinem Wirkungskreise offenbart? Habe ich daf selbe lebendig anerkannt in seinem ganzen Um­fange, der von unserm Wohlwollen auch dieje­nigen nicht ausschließt, die uns übel wollen, oder auch unsre offenbaren Feinde sind? Dieses schwerste aller Gebote, insofern es liebende Ge­finnungen für unsre Widersacher von uns for­dert, ist, weil es der so leicht aufgeregten Lei­denschaft widerstrebt, am meisten der Gefahr aus­gesetzt, auch von dem besten Menschen, dem es an gutem Willen nicht fehlt, übertreten zu wer­den. Wie leicht entfährt uns ein unfreundlicher Blick auf das Wohlsein desjenigen, der uns ir­gend einmal wehe gethan hat! wie schnell steigt in unserm Herzen der heimliche Wunsch auf: möchte das Heil einem Würdigeren zu Theil ge­worden sein! beide, jener Blick und dieser kaum heimlich von uns gehörte Wunsch, find

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