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Wie besteht heute mein Leben vor diesem Gelübde? Wie besteht es vor den Lehren und Vorschriften, die uns der göttliche Heiland des Menschengeschlechtes als ein heiliges Vermächtniß, als den Schlüssel zum Himmelreich zurückgelassen hat? Liebe Gott über alles, und
liebe deinen Nebenmenschen wie dich ſelbst. // Dies Gebot des allgemeinen Wohlwollens, der unbedingtesten Menschenliebe, wie hat es sich in meinem Wirkungskreise offenbart? Habe ich daf selbe lebendig anerkannt in seinem ganzen Umfange, der von unserm Wohlwollen auch diejenigen nicht ausschließt, die uns übel wollen, oder auch unsre offenbaren Feinde sind? Dieses schwerste aller Gebote, insofern es liebende Gefinnungen für unsre Widersacher von uns fordert, ist, weil es der so leicht aufgeregten Leidenschaft widerstrebt, am meisten der Gefahr ausgesetzt, auch von dem besten Menschen, dem es an gutem Willen nicht fehlt, übertreten zu werden. Wie leicht entfährt uns ein unfreundlicher Blick auf das Wohlsein desjenigen, der uns irgend einmal wehe gethan hat! wie schnell steigt in unserm Herzen der heimliche Wunsch auf: möchte das Heil einem Würdigeren zu Theil geworden sein! beide, jener Blick und dieser kaum heimlich von uns gehörte Wunsch, find
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