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Geistliche Lieder, Gebete und religiöse Betrachtungen / von Elisa von der Recke
Entstehung
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Kindheit mußten mir dazu dienen, die Kräfte des Geistes und Gemüthes in mir zu wecken, und in der Folgezeit zu kräftigen und zu stärken. Früh führte der Herr und Lenker meiner Lebens­tage edle Freunde mir zu, die meine Vorstellun­gen von Recht und Unrecht durch Lehre und Bei­spiel berichtigten oder erhoben. Einladende Vor- m bilder der Tugend begegneten mir, um mich zur Nacheifrung zu begeistern; ich sah in ihrem hei­ligen Frieden die stille Seele ruhen, die unbe- pid lohnt und selbst verkannt, beharrlich den finn lichen Neigungen widerstand, und die schwersten und Pflichten ausübte. Dann aber traten Erschei nungen des Unrechtes mir in den Weg: da sah ich nun, wie dieses selbst unter den süßen Lieb­kosungen des sogenannten Glückes, der Glückse­ligkeit ermangelte, welche der Antheil einer edlen Handlungsweise und würdiger Bestrebungen ist. Ich sah die dunkelhafte Selbstsucht im Wahne ihrer Sicherheit dem Falle zueilen; ich sah ihren Fall, und hörte ihre Wehklagen. Dann aber sah ich auch die Unschuld, die bescheidene Tu­gend im Schleier der Demuth neben dem Ge rausch der Hoffarth still ihren Weg gehen. So erschienen warnend und mahnend in meinem Le­benskreise Beispiele des Unrechtes und Vorbilder der Tugend.