Druckschrift 
Geistliche Lieder, Gebete und religiöse Betrachtungen / von Elisa von der Recke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

112

derhaften Erscheinungen sich darstellt, so ist er gleichwohl stets schädlich. In welcher scheinbar unschuldigen Gestalt er sich ankündigen mag; so trübt er doch immer die Quelle der Wahrheit durch Zusäße, Formen und mancherlei Nebendinge, die den einfachen, klaren Sinn des Evangeliums, wie es die Schüler unfres Heilandes uns überliefert haben, gleichsam verhüllen, worüber nicht selten der Geist des einfachen, lebendigen Wortes verloren geht.

Neben dem Hange zum Wunderbaren, ist eine zweite Quelle des Aberglaubens die Bequem­lichkeit, die gern glaubt, durch äußere religiose Gebräuche, durch Beiwohnung des fonntågichen Gottesdienstes, den Gebrauch der heiligen Sa­kramente, des Abendmahls, den Ansprüchen der Religion ein Genüge zu leisten, ohne daß der Geist der echten Religiosität in das handelnde Leben übergeht. Feilich ist es leichter, und dem sinnlichen Menschen bequemer, einige solche äußere Handlungen zu verrichten, als die Pflicht der Selbst­beherrschung auszuüben, und das ganze Leben nach der Vorschrift der Religion einzurichten.

Ja, es ist leichter, andächtig zu schwärmen, als würdig zu handeln.