109
meiner erbarmtest? wie sollte ich nicht Liebe und Wohlwollen üben gegen Menschen, die deine Kinder, meine Mitgenossen des irdischen Lebens sind! Wohlwollen und Liebe sei meine heiligste Pflicht, und meine Weisheit sei Ergebung in deinen heiligen Willen, du Ewiger, du allwissender Lenker unsrer Tage!
-
Aberglaube.
Wenn der Unglaube sich vermißt, oder sich gern überreden möchte, nichts als Wahrheit anzuerkennen, was nicht in den Bereich sinnlicher Erfahrungen fällt; so schwärmt der Aberglaube gern über das Gebiet aller Erfahrung und über die Grenzen der Vernunft hinaus, und ist sonach ein Fürwahrhalten alles dessen, was eine ausschweifende Einbildungskraft von Gott und göttlichen Dingen träumt, unbekümmert darum, ob das Geglaubte mit den Geschen des menschlichen Denkvermögens, das ist, mit der Vernunft, übereinstimmt, oder ihnen widerspricht; ob es mit unlaugbaren heiligen Wahrheiten im Zusammenhange steht, oder ob es einzeln, als eine willkürliche Erscheinung, unter den Vorstellungen des Verstandes umherirrt. Der Aberglaube nimmt


