Handlung des heiligen Abendmahls. Geliebte in dem Herrn Christo! Das feierliche Maht, das ihr jetzt zu halten versammelt seid, ist von eurem Herrn und Heilande selbst verordnet worden. Ich habe es, sagt Paulus, von dem Herrn empfan gen, das ich euch gegeben habe. ,, Denn der Herr Jesus in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brodt, dankte und brachs, und fprach: nehmet, effet; das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird. Solches thut zu meinem Gedächtnis. Deffelbigen gleichen auch den Stelch nach dem Abendmahle und sprach: dieser Kelch ist das neue Tes stament in meinem Blut; solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtniß. Denn so oft ihr von diesem Brodte effet und von diesem Kelche trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt."
Ihr sehet hieraus, daß das heilige Abendmahl ein Gedächtnismaht der unaussprechlichen Liebe unseres Heilandes sein soll, welche ihn ges drungen hat, sich in den schmerzhaftesten Tod des Kreuzes dahin zu ges ben, damit er uns von dem großen Elende der Sünde erlösen, und uns das felige Vorrecht der Kindschaft Gottes verschaffen möchte. Zugleich soll es aber auch auf unfrer Seite ein feierliches Bekenntniß sein, daß wir diesen Tod unsers Heilandes, als das Mittel unsrer Erlösung, an nehmen, unsre einzige Hoffnung darauf setzen und uns verpflichten, diesem Heilande als sein erlöstes Eigenthum mit Leib und Seele zu dies nen und unser ganzes Leben nach seinem Wohlgefallen einzurichten. Se her denn zu, daß diese Absichten an euch erreicht werden.
Begehet zuvörderst das heilige Abendmaht als ein Gedächtnißmahl der Liebe eures treuen und göttlichen Erlösers. Folget ihm zu dem Ende im Geiste auf seinen Leidenswegen, die er durchwandelt hat, und em pfindet es mit einer innigen Rührung, wie theuer ihr erlöset seid. Se. het hin nach Gethsemane, wie er da, mit bitterm Kummer über daß Elend der Menschen belastet, mit dem Tode ringt, und auf seinem Angesichte liegend zu drei Malen zu Gott, seinem himmlischen Vater, betet: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch vorüber! doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Betrachtet ihn, wie er unter den Hån den seiner Feinde geschlagen, verhöhnet, gegeißelt, mit Dornen gekrönet und endlich von eben dem Richter, der ihn für unschuldig erklärte, verurtheilt, und gleich einem lebelthäter gekreuzigt wird. Erinnert euch, mit welcher Standhaftigkeit er alle diese Martern und Mißhandlungen erduldet, die Wahrheit bezeuget und für seine Verfolger gebetet hat, wie er zwar, als die Last seiner Leiden sich immer mehr häufte, einstmals zu Gott rief: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlaffen? wie er aber doch mitten in dieser finstern Stunde der allerstärksten Anfechtung nicht wankte, sondern durch den großen Gedanken, daß er der Erretter des menschlichen Geschlechts sei, sich in dem Vertrauen auf Gott und in einer völligen Ergebung in seinen väterlichen Willen so stärkte, daß er alles, was er nach dem Willen seines himmlischen Baters


