Gott und euern Nachften befleißigen wollet, welche euch Jesus Christus nicht nur mit seiner Lehre, sondern auch mit seinem eigenen Beispiele empfohlen hat? Ist es infonderheit, da ihr bei dem Tische des Herrn cie ne christliche Bruderliebe bezeugen wollet, euer ernstlicher Wille, das ihr allem Haß und Neid, aller Feindseligkeit und Rachbegierde gänzlich ents fagen, und hingegen nach dem Beispiele eures Heilandes euern Belei.. digern von Herzen vergeben, euren Feinden Gutes thun, und zu Gott für sie beten wollet? lleberhaupt: ist es euer redlicher Wunsch und heis liger Vorfaß, mit jedem Tage eures Lebens immer heiliger, vollkomm ner und eurem Heilande Christo ähnlicher zu werden? Könnet ihr mit Wahrheit und Beißtimmung eures Herzens zu Gott sagen: ich schwöre und wills halten, daß ich die Rechte deiner Gerechtigkeit bewahren will. Ist das eure Gesinnung, sind das eure Vorsäße; so antwortet: Ja.
Bei solchen Gesinnungen könnet ihr gewiß erwarten, daß ihrwürdig zu dem Gnadenmahl eures Erlösers kommen und dasselbe euch zum Gegen genießen werdet. Verstockten Sündern, die, anstatt von Sünden abzus laffen, vielmehr darin beharren, und wol gar mit offenbaren Lastern den Gemeinen des Herrn ärgerlich werden, ist es eine Mahlzeit, die zu ihrem schweren Gericht gereicht. Auch leichtsinnige Seelen, die aus bloßer Ges wohnheit und ohne alle Andacht und Ehrerbietung bergunahen, machen sich dadurch strafbar. Denn sie unterscheiden nicht, sagt Pantus, den Leib des Herrn; das ist, sie bedenken nicht, daß es keine gemeine Mahlzeit, sondern ein Gedächtniß der großen Liebe unsers Heilandes ist, die ihn zur Erduldung des schmerzhaften Todes für unsre Sünden bereit machte, und uns zu der innigsten Gegenliebe desselben auffordert. Bußfertigen Seelen hingegen, die mit wahrer Reue über ihre Sünden erfüllt sind, und, indem sie ihre einzige Hoffnung und Vertrauen aufChristum seßen, den aufrichtigen Vorsatz haben, ihr Leben immer mehr zu bessern und voll kommner zu werden, ist es ein gewiffes Unterpfand ihrer Begnadigung bei Gott. Solche Seelen können gewiß versichert sein, daß keine Sünde noch Schwachheit, die wider ihren Willen in ihnen noch übrig ist, fie hindern könne, an den seligen Früchten des Todes Jefu im heiligen Abends mahle Theil zu nehmen. Um diefer Ursache willen müssen sie auch niemals unter dem Vorwande, als wenn sie zum Genuß des heiligen Abendmahls nicht würdig wären, sich dieser heiligen Handlung entziehen wollen. Eie gentliche Würdigkeit können wir ohnedies vor Gott nicht haben. Seine Gnade muß immer dazu kommen, und das ersehen, was uns an Würdigkeit abgeht. Und das geschieht nun eben, wenn wir mit solchen Gesinnungen zum heiligen Abendmahle kommen, die, wenn sie uns gleich eine gânzliche Vollkommenheit in diesem Leben noch nicht erwarten lassen, uns doch antreiben, der Vollkommenheit nach unserm Vermögen nachzujagen, und den Vorschriften unsers Heilandes immer gehorsamer zu werden.
Laffet uns denn diese Gesinnungen Gott in einem andächtigen Gebet kindlich vortragen, und bete ein Jeder mit mir in seinem Herzen also:


