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ster an, denn sie fühlen sich ja frei von solchem Beginnen. Da durchzuckt ihre Seelen der furchtbare Gedanke, daß Er, vor dessen Augen sie hier stan den, ihre Herzen durchschaue und mit dem Flammenblicke der Allwissenheit in ihrem Innern er» kenne, was ihnen selbst wohl noch ein Geheimniß wäre, und dieser schaurige, wie ein leuchtender Bliß durch ihre Seele fahrende Gedanke preßt ihnen die bange, zagende Frage aus: ,, Herr bin ich's?" O wie schön redet diese Frage für eure Herzen, ihr frommen Jünger des Herrn! ,, Herr bin ich's?" so fragt ein Jeder, so bangt Jeder für sich selbst, so will's Niemand dem Andern zutrauen, so kennt Jeder den finstern Born seines eignen Herzens, so zittert ein Jeder vor dem Gedanken, er könnte etwa ein Jesusverråther werden, so muß ein Jeder die Gewißheit haben, daß Er ihn nicht meine, so lange fragt er: ,, Herr bin ich's?"- Er bauliche Beichtstunde, in die wir hier blicken! Da ruht das Brod auf dem Abendmahlstische, dort ist der Kelch des Neuen Testaments schon eingeschenkt, hier wogen Sündbewußtsein und Bußgefühle durch der Jünger Herzen und lehren uns, wie man sich bereiten müsse zum Genusse des heiligen Abendmahls. Jazittre nur, wie jene Jesusfreunde, meine Seele, wenn du die Hand nach Seinem Leibe und Blute ausstreckst, du weißt ja, wer unwürdig isset und trinket, der isset und trinket sich selber das Ge richt. Wenn du vor groben Ausbrüchen deiner Sünden auch bewahrt bliebst; bedenke: aus dem Her zen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Hure> vei, Dieberei, falsches Zeugniß, Lästerung und andre Stücke, die den Menschen verunreinigen; und seufze


