Selbstprüfung eines Christen, zc.
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dem Herrn empfangen, was er den Corinthern in absicht dieses heiligen mahls anvertraut. Ich erkenne es, und mein gewissen über= zeugt mich völlig davon, nicht allein als eine vérachtung dieser heiligen einsehung sondern des Herrn Jesu selbst, wenn ich mich davon abhalten lasse. Ich bin das gegentheil eines freundes Jesu, ich bin fein feind, wenn ich nicht thue was er mir geboten hat.
Ich habe daher beständig diejenigen mit einem mitleidigen auge angesehen, welche theils nach ihren religions- grundsäßen, den ge= brauch dieses gnaden- mittels unterlassen; oder welche aus leichtsinn wider ihr gewissen oder wohl gar aus schaam davon wegbleiben.
Es ist weit von mir entfernt einen fremden knecht zu richten; aber meine seele, komme du nicht in ihren rath, und laß dir das nicht verkehren, was mit zu deutlichen worten in der Bibel gefunden, dessen beobachtung so nachdrücklich von dir verlangt wird.
Aber wie ist mir denn zu rathen? Paulus verlangt im namen des Herrn von mir, daß ich mich prüfen soll, daß ich untersuchen soll, ob mein seelenzustand so beschaffen ist! daß ich würdig an dieser heiligen tafel erscheinen könne, das erste, was mir daben in mein andenken kommt und das ich als einen wink vom Herrn ansehe, ist was ich) von dem frommen David gelesen, der ben aller erleuchtung betet: Erforsche mich Gott! und erfahre mein herz, prüfe mich und erfahre, wie ichs menne.
Und nun mein Bater, lehre mich diese bitte jenem könige von her: zen und glaubig nachbeten! je mehr ich mich mit diesem flehen be schäftige, desto mehr wird mir die tiefe meines verderbens offenbar, ich sehe mich durch und durch fündig, und wenn ich die predigten meines Jesu selbst ansehe, so finde ich, daß das ein glückliches seliges tennzeichen eines ihm wohlgefälligen zustandes sen, wenn ein menſch feine armuth erfennet, wenn er mühselig und beladen ist, und dies macht mich glauben, daß das erste kennzeichen eines würdigen Com municanten dieß sen: daß er seine unwürdigkeit mit wehmuth und reue vor dem Herrn erkennet; mir däucht, ich höre den Herrn seine gnadenvollen einladungs- worte auf mich richten, taufet umſonst, kom: met, es ist alles bereit.
Die unverdiente freundlichkeit meines erbarmers macht mein ganz zes herz warm, ich schäme mich meiner großen unwürdigkeit und freue mich über seine unbeschreibliche, gnade mit heissen freuden: thränen: die bisherigen fünden, infor erheit meine lieblings- fünden find mir in dieser faffung des gemüths ein wahrer greuel, es nagt mich, daß ich sie geliebt habe, und ich kann es kaum begreifen, wie es möglich war, einen so gnadenvollen Heiland zu betrüben: die ganze eitelkeit, mit ihrem anhange und umfange, kommt mir ins andenfen, das liebste und beste stellet sich meinen augen dar; aber es ist alles viel zu gering gegen die überschwängliche erkenntniß meines see: lenfreundes. Ich kehre der ganzen welt mit freuden den rücken zu und wähle mit der heissesten sehnsucht meinen Gott: ich verstehe jest was Assaph fühlen mußte, wenn er ausrief: Herr, wenn ich nur dich habe, zc., oder was in dem herzen Petri vorgieng, wenn er seinem Herrn fagte: Herr wohin sollen wir gehen, du hast worte des lebens: mein vorsaß ist aufrichtig, von diesem augenblicke an nur meinem Heilande zu leben und mit wahrhaftigem herzen entsage ich daher von neuem dem teufel und allen seinem wesen, ich mache mich ferti zum tische Jesu zu nahen, ich fasse feine versöhnung und finde it


