Vorrede.
21
Bähne haben, harte Nüsse in den Mund gibt, um ihren Hunger damit zu stillen. Man merket gar balde, ob der Mund allein ohne HerzensUndacht singet, wenn z. B. nur ein Vogel durch eine Versammlung flieget, oder jemand unter dem Eingen herein tonimit, so finget der Mund bey Leichtsinnigen zwar fort, aber Augen und Gedanken sind gleich auf den geringsten fremden Gegenstand gehaftet. Gnadenhungrige und durstige Seelen lassen sich nicht so leicht irre machen.
4. Wäre zu wünschen daß der Gesang, wie in etlichen so in allen öffentlichen Bersammlungen, fittsam und in lieblicher Uebereinstimmung geführet werden mögte. Viele haben noch die Gewohnheit, daß sie ihr ganzes Nerven- und Sennen- Gebäude, Muth und Blut anstrengen und aus allen Leibes- Kräften fingen, welches vielmehr ein Schreyen oder Brüllen heissen möchte, wie Elias zu den Baals: Dienern sagte, 1 Kön. 19, 27. Rufet laut! euer Göße schlafet vielleicht. Durch solch gewaltsam Rufen übertäubet man seine eigene Gedanken, föret die Versammlung in der Andacht, ermüdet den Leib und verurs fachet widrige Empfindungen in den Neben- Christen. Moses, der Mann Gottes, machte fein gewaltsam Geschrey als er in Noth war, sondern drückte seines Herzens Anliegen vor Jehova mit seufzender Stimme aus, und der Herr hat solch leises und durchdringendes Ges hör, daß er Mofi antwortete: was schreyest du zu mir? 2 Mof. 4, 15. Der das Ohr gepflanzet hat, solte der nicht hören? Pf. 94. Das nachahmungswürdigste Muster hat uns der heilige Paulus, Eph. 5, gegeben: Werdet voll Geistes, nemlich), seiner Gaben und Einflüsse, redet in euren Bersammlungen und bey euch selber von Pfalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern, finget und spielet dem Herrn in eurem Herzen. So ist der rechte Gebrauch des Göttlichen in der Dicht: und Ton- Kunst vereinigt beysammen. Der höchst gütigste Echöpfer hat in die meisten Menschen- Kinder ein Bermögen und Anlage zu vier Stimmen gepflanzet, welche die Ton- Künstler Baß, Tenor, Alt und Discant nennen. Wenn solche Gaben in christlichen Schulen angebauet, verfeinert und geheiliget werden, so dienen sie hernach in christlichen Versammlungen zur Erweckung, Ermunterung und Er bauung und verursachen süsse Harmonie und Vorschmack von himmlischen Bergnügen ben allen die das Göttliche in der Ton- Kunst kennen und lieben oder ein musicalisch Gehör haben.
5. 3ft zu bemerken, was bisher unfern Gefang in öffentlichen Ber: fammlungen an der völligen Uebereinstimmung gehindert, nemlich, die vielerley Arten von Gesangbüchern, da fast in jedem verschiedene kleine Abänderungen gemacht und in einem viele, im andern wenig Lieder stehen. Wenn man aber in allen Amerikanischen Gemeinen einerley Gefangbuch hätte, worinn die besten alten und neuen geistreichsten Lieder zu finden, so wäre es viel bequemer und übereinstim miger. Und warum solten die evangelischen Gemeinen in Amerika nicht macht und Recht haben ihr eigen Gesangbuch einzuführen, so lange sie noch die unschäßbare Religions- und Gewissens- Freyheit geniessen? Es kommt nicht auf die Vielheit der Lieder an, sondern auf die Auswahl der besten und kräftigsten, und darzu haben wir, Gott fen Dank! noch Freyheit und Gelegenheit, wie verständige und ers fahrne Christen aus diesem Buche selbst ersehen werden.
6. An der Dicht- und Ton- Kunst wird noch immer was zu bauen und zu bessern seyn, und ihr vollkommenster Grad scheinet aufgehoben


