Druckschrift 
Himmlisches Palmgärtlein : katholisches Gebet- und Erbauungsbuch / von dem ehrwürdigen Priester Wilhelm Nakatenus aus der Ges. Jesu [...] verfaßt. Neu bearb. und mit verschiedenen Zusätzen vermehrt durch Joseph Laurent. Die darin enthaltenen Lieder größtentheils übersetzt und bearb. von Friedrich Schlosser
Entstehung
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Das Leiden unseres Herrn Jesu Christi.

aufkam, fing es an zu bitten, daß er thue, wie er immer zu thun pflegte. Pilatus antwortete ihnen und sprach: Wollt ihr, daß ich euch den König der Juden los gebe? Denn er wußte wohl, daß Ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. Aber die Hohenpriester und Aeltesten hatten das Volk überredet, es sollte den Barabbas los bitten, Jesum aber zum Tode fordern. Der Landpfleger aber sprach zu ihnen: Welchen von diesen beiden wollt ihr, daß ich euch los gebe? Da schrie der ganze Haufen mit lauter Stimme und sprach: Hinweg mit Diesem! gieb uns den Barabbas los! Pilatus sprach abermals zu ihnen: Was soll ich denn thun mit Jesu, der genannt wird Christus? Da schrieen sie abermals alle und sprachen: Kreuzige Ihn, kreuzige Ihn! Er aber sprach zum dritten Male: Was hat Er denn Uebels gethan? ich finde keine Schuld an Ihm; darum will ich Ihn züchtigen und los laffen.

Da nahm Pilatus Jesum und ließ Ihn geißeln. Die Kriegsknechte aber führten Ihn in den Vorhof des Nichthauses und beriefen die ganze Schaar zu­sammen, und legten Ihm einen Purpurmantel an, und flochten eine Krone von Dornen, und setzten sie auf sein Haupt, und gaben Ihm ein Rohr in die rechte Hand, und beugten die Kniee vor Ihm und verspotteten Ihn und sprachen: Sey gegrüßt, du König der Juden. Und sie schlugen Ihm in's Angesicht, und spieen Ihn an, und nahmen das Rohr, und schlugen Ihn damit auf's Haupt. Da ging Pilatus wiederum hinaus und sprach zu den Juden: Sehet, ich führe Ihn zu euch heraus, damit ihr erkennet, daß ich keine Schuld an Ihm finde. Also kam Jesus heraus und trug die Dornen- Krone und das Purpurkleid, und er sprach zu ihnen: Ecce homo! Sehet! der Mensch! Ms nun die Hohenprie­ster und Diener Ihn sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige Jhn, kreuzige Ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmet ihr Ihn, und kreuziget Ihn, denn ich finde keine Schuld an Ihm. Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Geseß, und nach diesem muß Er sterben; denn Er hat Sich selbst zum Sohne Gottes gemacht. Da nun Pilatus die Rede hörte, fürchtete er sich noch mehr. Und er ging wieder in das Richthaus und sprach zu Jesu: Von wannen bist Du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu Ihm: Redest Du nicht mit mir? weißt Du nicht, daß ich Macht habe Dich zu freu­zigen, und macht habe Dich los zu geben? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von Oben gegeben wäre; darum hat der, welcher mich Dir überantwortet hat, größere Sünde. Von da an trachtete Pilatus, Ihn los zu geben. Die Juden aber schrieen und sprachen: läsfest du Diesen los, so bist du kein Freund des Kaisers; denn wer sich zum Könige macht, der widerstrebt dem Kaiser.

Als aber Pilatus diese Rede hörte, führte er Jesum heraus und setzte sich auf den Richtstuhl, an dem Orte der auf Griechisch Lithostrotos, auf Hebräisch Gabbatha genannt wird; und da er auf dem Nichtstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten, denn ich habe heute im Traume Seinetwegen viel gelitten. Es war aber am Rüsttag der Ostern um die sechste Stunde, und Pilatus sprach zu den Juden: Sehet, euer König! Sie aber riefen: Hinweg, hinweg mit Ihm, kreuzige Ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Soll ich euern König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König, als den Kaiser. Als aber Pilatus sah,