Sechste Betrachtung.
Gemüthsbewegungen. a) Acte des Glaubens und der Furcht. Ich glaube, mein Gott! auf dein heil. Wort unerschütterlich fest, daß einst ein Tag kommen wird, an dem alle, welche auf Erden leben, gelebt haben und noch leben werden, und darunter auch ich, vor deinem Gerichte sich versammeln müssen, auf daß vor der ganzen Welt offenbar werde, was Jeder gewirkt hat, und jeder nach seinen Werken empfange. Ja, so wird es sein- ich werde, mein Gott! vor deinem Gerichte erscheinen, und da wirst du vor der ganzen Welt aufdecken, was ich, so geheim auch immer, gesündigt habe. Welche Schaam und Verwirrung wird mich da überfallen! Womit werde ich meine Sünden zudecken, da Nichts fie deinem allwissenden Auge entzieht? Womit an jenem Tage, wo es keine Erbarmung mehr gibt, deinen Zorn besänftigen, wenn ich über die schweren mein Gewissen beunruhigenden Sünden nicht wahrhaft Buße gethan, sie nicht aufrichtig gebeichtet, ihre Gewohnheit nicht abgebrochen und die Gelegenheit sie zu begehen nicht sorgfältig vermieden habe? b) Acte der Reue und des Vorsatzes. Darum nehme ich jeßt, wo deine Erbarmung mich noch zur Buße einladet und Verzeihung mir anbietet, meine Zufiucht zu dir, Gott der Barmherzigkeit! Sieh', es schmerzt mich im Innersten meiner Seele, daß ich jemals dich, meinen so gütigen und allvollkommnen Gott, mit Sünden beleidigt habe. Ach, hatte ich doch nimmer gesündigt! Könnte ich doch meine Sünden ungeschehen machen! Da aber dieses nicht möglich ist, so flehe ich mit zerknirschtem Herzen zu dir: erbarme did; meiner, um deiner Barmherzigkeit und des kostbaren Blutes deines Sohnes willen! Mein ernster Wille ist es, meine Sünden reumüthig dem Priester der Kirche zu bekennen und in Zukunft alles zu vermeiden, was mich deiner Liebe unwürdig machen kann. Nie soll die Liebe zur Welt und zu dem, was dieselbe mir lügnerisch verspricht, mein Herz wieder bes thören, daß ich den Weg deiner Gebote verlasse. Genehmige, mein Gott! den Vorsat, welchen ich vor dir und dem ganzen Chore der Himmelsbewohner jetzt mache, und stehe mir mit deiner Gnade bei, daß ich ihn treu halte und so am Tage des Gerichtes zur Schaar deiner Auserwählten gehöre.
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