Druckschrift 
Himmelsleiter oder vollständiges katholisches Gebetbuch mit vielen Belehrungen und Betrachtungen aus den Missionsandachten und Meßgesängen / von Fr. H. Reinerding, Dr. der Theol. und Philos. u. Prof. d. Theol. im "S. Cuthbert's College Ushaw bei Durham" in Nordengland. Mit einem Stahlstich und Goldtitel. Mit bischöfl. Approbation
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3weite Betrachtung.

Thránenthale machen, betrachte ferner die Kämpfe, welche der Mensch mit seiner zum Bösen geneigten Natur zu beste­hen hat, betrachte endlich, wie der Mensch als Kind des gött­lichen Zornes und ohne Anspruch auf den Himmel das Licht dieser Welt erblickt. Was ist das Alles, als die Frucht der einen Sünde, welche unser Stammvater Adam begangen hat? Was muß daher die Sünde, auf der Waage der göttli­chen Gerechtigkeit gewogen, sein, da Gott, der Gerechte, ibret­wegen eine solche Strafe über so viele tausend Millionen Menschen, welche doch persönlich nicht mit gesündigt haben, verhängt! Und dennoch reicht alles dieses nicht hin, um uns einen wahren Begriff von der großen Schuld dieser Sünde zu machen. Oder könnten wohl die vielen tausend Millionen Menschen, welche von Anbeginn der Welt auf Erden gelebt haben und künftig noch leben werden, mit allem, was sie um der Sünde Adams willen leiden, auch nur einen Theil der die­ser Sünde gebührenden Strafe búßen? Nein, um für eine einzige schwere Sünde genug zu thun, dazu reicht das ganze Menschengeschlecht, und wurde auch jeder Mensch mehr Buße üben, als alle Heiligen zusammen mit allen ihren Kafteiun­gen und Martern geübt haben, und mit ihnen die ganze Schaar der seligen Geister so wenig aus, daß alle Menschen und Engeln nicht einmal einen geringen Theil der ihr gebüh­renden Strafe abbúßen könnten. Die Schuld der schweren Sünde ist eben unendlich, und wie sollte daher, was alle ge­schöpflichen Wesen abbüßen mögen, da es doch endlich ist und bleibt, je eine theilweise Abbüßung der schweren Schuld sein? So war denn auch, um dem Menschen die göttliche Erbar­mung zuzuwenden, nichts Geringeres nothwendig, als daß der eingeborene Sohn Gottes die Strafe der Sünde büßte. Willst du demnach, meine Seele! wissen, wie groß die Schuld der schweren Sünde sei, so blicke hin auf den menschgeworde­nen Sohn Gottes. Betrachte, was er, der ewige Sohn res ewigen Vaters, vor seiner Geburt zu Bethlehem bis zu ſei­nem schmählichen und schmerzhaften Kreuzestode, dafür ge­litten hat; betrachte insbesondere seinen blutigen Schweiß, wie er hängt zwischen Himmel und Erde, und wie er von der Fußsohle bis zum Scheitel des Hauptes nichts Gesundes hat.- Ist aber so die Strafe der Sünde, wie strafwürdig ist dann nicht dein bisheriges Leben! Wie oft bist du Ursache

437