Druckschrift 
Himmelsleiter oder vollständiges katholisches Gebetbuch mit vielen Belehrungen und Betrachtungen aus den Missionsandachten und Meßgesängen / von Fr. H. Reinerding, Dr. der Theol. und Philos. u. Prof. d. Theol. im "S. Cuthbert's College Ushaw bei Durham" in Nordengland. Mit einem Stahlstich und Goldtitel. Mit bischöfl. Approbation
Entstehung
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Erste Betrachtung.

Ich weiß zwar, daß der Versucher nicht zögern wird, wie­derum seine alten Fallstricke zu legen, und wie schwach ich, mir selbst überlassen, bin; doch du, mein Gott! bist meine Stärke und verläßt mich nicht; in dir bin ich start. Mit deiner Hülfe werte id) meine Aufgabe erfüllen und dahin gelangen, daß ich mich ewig in dir erfreue. D, wie sehr verlangt mich nach jener glückseligen Stunde, wo ich so mit dir soll vereint werden, daß uns Nichts mehr trennen kann! Reiße mich immer mehr los von den geschöpflichen Dingen, so daß ich, gleichgültig gegen ste, Nichts will, als was du von mir verlangst; daß ich keine andere Absicht habe, als dir zu dienen und so, wie du es von mir verlangst.

Zweite Betrachtung:

Die Sünde.

Die Sünde ist in sich und in ihren Strafen das größte Ulebel.

Als Vorbereitung stelle dir vor, als hörtest du den Sünder zu Gott sagen: ich will dir nicht dienen, und bitte Gott um die Gnade, zu erkennen, welches lingeheuer eine solche Auflehnung des Menschen in seinen Augen sei. nd

I. Punft. Was ist die Sünde an sich? Indem der Sünder ein Gebot Gottes freiwillig übertritt, kündigt er ihm seinen Gehorsam thatsächlich auf, und obgleich aus so vielen Gründen, insbesondere als Geschöpf und Eigen­thum, zum Gehorsam gegen ihn verpflichtet, spricht er da­mit zu ihm: ich will dir nicht dienen, sondern den ges schöpflichen Dingen nachgehen und nach meinem Wohlge­fallen leben. Was liegt aber nicht in einer solchen Erflå­rung, die jeder Sünder thatsächlich gibt? Wo sind da die Gefühle des Danfes gegen Cott als den größten Wohl­thäter, von dem der Mensch nicht dieses oder jenes Gut, sondern Alles, selbst sein Dasein erhalten hat? wo die schul­dige Hochachtung gegen ihn, der seinen eignen Geschöpfen nachgesetzt wird? wo Gerechtigkeit gegen den, welcher mit noch größerm Rechte vom Menschen, seinem Eigenthum, Gehorsam fordert, als der Töpfer über die Gefäße beſtimmt, welche er gebildet hat? Sucht aber der Mensch so, indem er fündigt, so viel an ihm liegt, sein ganzes Verhältniß