Nachwort.
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Da du nun gewiß bist, daß du mit Gott, deinem Vater, durch den Tod seines Sohnes versöhnt bist, so wird hinfort nur der eine Wunsch dein Herz bewegen, dem zu leben, welcher für dich in Not und Tod ging und die Strafe auf sich nahm, die dich von Ewigkeit zu Ewigkeit hätten treffen müssen, wenn er dich nicht davon ausgelöst hätte. Seinem Ebenbilde täglich ähnlicher und in ihm erfunden zu werden, wird nun dein einziges, unverrücktes Ziel sein und bleiben, so lange du hienieden pilgerst.
Noch tausend Dinge, die du früher nicht kanntest und wovon du keine Ahnung hattest, wirst du nun im Umgange mit deinem Heilande erfahren, und wenn du treu bleibst, bald davon zeugen können, daß hier mehr gegeben wird, mehr genossen werden kann, als alle Bücher, die darüber geschrieben wurden, davon sagen können. Du wirst, wie einst die Königin vom Mittag( 1 Könige 10, 7.), verwundert bekennen, daß dir nicht die Hälfte gesagt wurde von all dem Guten, das der Herr hat und giebt.( 1 Kor. 2, 9.) Du wirst nicht allein wie jene Samariter( Joh. 4, 42.) ausrufen: Wir glauben nun nicht mehr um deiner Rede willen; wir haben selbst gesehen und erkannt;" sondern du wirst auch mit David andern zurufen und sprechen: ,, Kommt, sehet und schmecket, wie freundlich der Herr ist."
Auf diesem Punkte angelangt, hat dein Gebetbuch seinen Zweck an dir erreicht; es hat dir dazu gedient, dich beten zu lehren. Du wirst es aber darum jetzt nicht verachten, sondern statt wie du früher es zur Hand nahmst, um eine knechtische Pflicht zu erfüllen, wirst du es jetzt mit Liebe ergreifen und dich mit kindlichem Dank gegen den Herrn freuen, manches darin niedergelegt zu finden, was nun der Geist von oben dich unmittelbar lehrt. Du wirst jetzt selbst er= fahren, daß ein rechter Beter auch mit dem Buche gehörig umzugehen weiß, und mit Woltersdorf( Evangel. Psalmen No. 145) freudig dankend einstimmen:
H
Wenn mich das Buch gelehret, Wie man zum Herrn sich kehret, So wird mein Herz zu Buche, Daß ich ihn selber suche. Erinnert mich, ihr Blätter, An mich und meinen Retter! Entzündet mein Verlangen, Die Gabe zu empfangen! Nur sollt ihr mich im Beten Nicht binden noch vertreten,


