Morgen- und Abendgebete.
9813) Dein Beispiel, o Jesu, sollte mich an diesem Tage wie an allen Tagen meines Lebens leiten und führen. Ich wollte wirken, weil es Tag ist, Gutes thun und nicht müde werden und da burch reichen Saamen ausstreuen auf die fünftige Erndte. Möchte mir mein Gewissen das Zeugniß geben, daß dieß wirklich von mir geschehen ist! Es war Tag, ich hatte Zeit, Kräfte, Mittel, Ge legenheit, mich im Recht- und Wohl thun zu üben, Gutes zu befördern, Böses zu verhinden, Andern nützlich zu werden, immer mehr Weisheit zur Führung des gegenwärtigen Lebens, immer mehr Fähigkeit zum Eingange in bas zukünftige zu erlangen, das Maaß der Gnadenbelohnungen in jener Welt zu vermehren, immer geschichter zu werden, einft mit bir zu leben und zu herrschen, indem ich jetzt mit dir kämpfe und dulde. Es kommt die Nacht, es können ungünftige Umstände eintreten, wo ich das nicht mehr thun kann, was ich jetzt zu thun vermag. Kurz ist der Tag, ungewiß die Zeit meines Lebens, und Viel ist dessen, was ich noch zu thun habe! Erhalte diese Vorstellung in meinem Gemüthe stets gegenwärtig und lebendig! Lehre mich jeden Tag, jede Stunde, die du meinem Leben noch hinzusetzen wirft, auf's Beste benutzen und so anwenden, daß ich durch die Kraft deines Geistes mit jedem Tage und jeder Stunde im Guten völliger, von Fehlern und Sünden freier, im Glauben stärker, in der Liebe rechtschaffener, meinen Nebenmen schen immer nützlicher, dir, meinem Heilande und Herrn, immer ähnlicher, deiner Gemeinschaft immer würdiger, zu dem Besige und Genuffe des zukünftigen Lebens immer geschickter und einst als ein treuer Knecht vor dir erfunden werde. Herr Jesu! gieb es! Amen. Ind isotnoste
Am Schlusse der Woche.
15 ainultesd Des Morgens. stádos
Heiliger, unveränderlicher Gott! du nur bleibest, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende. Ich aber bin einer Feldblume gleich, die heute blüht und morgen schon meltet. Mein Leben ist wie Nichts vor dir. Meine Tage fliehen
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schneller als ein Strom vorüber, und die ganze Zeit meiner Wallfahrt eilet und schwindet dahin, gleich den Stunden bei einem freundschaftlichen Gespräche. Es ist mir völlig unbekannt, wie lange ich noch leben werde, und eben so wenig weiß ich, wann, wie und wo ich sterben werde. Nur du siehst die Stunde meines Todes und haft sie bestimmt, wie die Stunde meiner Geburt, Ach, wie wenig denke ich doch mit rechtem Ernst daran; Biele von meinen Nebenmenschen, die jünger waren, sah' ich, plötzlich vom Tove übereilt, in's Grab tragen, und ich lebte meistentheils sorglos und sicher vor der Todesgefahr, als hätte ich von dir eine Versicherung darüber erhalten, daß ich von der allgemeinen Herrschaft des Todes eine Ausnahme machen sollte.
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mein Gott und Vater! lehre mich doch selbst bedenken, daß ich sterben muß, daß ich hier keine bleibende Stätte habe, sondern daß ich die zukünftige ſuchen muß, daß mein Leben auf Erden nur Vorbereitungs- und Uebungszeit sei, daß dieses Vorbereitungsleben alle Stunden ein Ende nehmen könne und daß von der Anwendung dieses vergänglichen, hinfälligen und flüchtigen Lebens gleichwohl meine ewige Wohlfahrt oder ewiger Verlust und Nachtheil für mich abhängt. Laß mich's nie vergeffen, daß ich zu einem glückfeligern ewigen Leben zwar geschaffen bin, daß mich aber vorher dein Gericht erwartet, das unparteiisch bestimmen wird, ob ich mich durch das Beispiel Jesu habe dazu fähig machen lassen. Laß den Gedanken an die Flüchtigkeit meines irdischen Lebens, an den Tod, an das Grab und an das Gericht und die Ewigkeit mir heute überall gegenwärtig sein, so werde ich gewissenhafter in der Anwendung meiner Zeit, vorsichtiger in Vermeibung des Bösen, thätiger in allem Guten sein. Ich werde mich nicht zu sehr an das Irdische fesseln lassen und mich vor Stolz und Uebermuth hüten. Die Wahrheit, daß dein Gericht auf mich wartet, foll mich antreiben, überall mit Vorsicht und eberlegung zu handeln und Nichts zu thun, was ich dereinst nicht verantworten könnte, die Hoffnung der Unsterblichkeit soll mir Muth, Geduld und Troft bei allen Betümmernissen und Leiden einflößen. An deiner Hand, mein


