I. Zeit- und Festlieder.
Mel.: Es ist das Heil uns kommen 2c.
* 1. Du Gott, du bist der Herr der Zeit und auch der Ewigkeiten! Laß mich auch jetzt mit Freudigkeit dein hohes Lob verbreiten! Ein Theil der Zeit ist wieder hin! Wem dank' ich's, Gott, daß ich noch bin? Nur deiner Gnad' und Güte.
2. Dich, Ewiger! dich bet' ich an, unwandelbares Wesen! dich, den kein Wechsel treffen kann. Wir werden, sind gewesen, wir blühen und vergeh'n durch dich; nur du bist unveränderlich, du warst, du bist und bleibest.
3. Herr! ewig währet deine Treu', mit Huld uns zu begegnen; an jedem Morgen wird sie neu, mit Wohlthun uns zu segnen. Ich kenne keinen Augenblick, da nicht von dir stets Heil und Glück mir zugeflossen wäre.
4. Du hast in jedem Lebensjahr mich väterlich geleitet, und, wenn mein Herz voll Sorgen war, mir Hilf' und Trost bereitet. Von ganzer Seele preis' ich dich! Auf's Neue übergeb' ich mich, Gott! deiner weisen Führung.
5. Vergieb mir die gehäufte Schuld von den verfloss'nen Tagen, und laß mich deine Baterhuld in Christo ferner tragen. Laß mich in deiner Gnade ruh'n, und lehre lebenslang mich thun nach deinem Wohlgefallen.
6. Gieb neue Lust und neue Kraft, vor dir gerecht zu wandeln. Laß mich Herr! stets gewissenhaft mit mir und Andern handeln. Dein Geist belebe Herz und Muth, dich, o du allerhöchstes Gut! und nicht die Welt zu lieben.
7. Die Welt vergeht; dieß reize mich, die Lust der Welt zu fliehen. Um beff're Freuden müsse sich mein Geist schon jetzt bemühen. Allhier nur ist mein Prüfungsstand; im Himmel ist mein Vaterland: dahin, Herr! laß mich trachten.
8. O lebre selbst mich meine Zeit recht weislich auszukaufen! Laß mich die Bahn zur Ewigkeit mit heil'ger Vorsicht laufen! Der Tage Last erleicht're mir, bis meine Ruhe einst bei dir kein Wechsel weiter störet.
Mel: Nun danfet alle Gott 2c.
* 2. Ein Tag( ein Jahr) ist wieder hin! Und diesen Theil des Lebens, wie hab' ich ihn verbracht? Verstrich er mir vergebens? Hab ich mit allem Ernst dem Guten nachgestrebt? Hab' ich vielleicht nur mir, nicht meiner Pflicht gelebt?
2. War's in der Furcht des Herrn, daß ich ihn( es) angefangen? mit Dant und mit Gebet, mit eifrigem Verlangen, als ein Geschöpf von Gott, der Tugend mich zu weih'n, und züchtig und gerecht, und Gottes Freund zu sein?
3. Hab' ich in den Beruf, den Gott mir angewiesen, durch Eifer und durch Fleiß ihn, meinen Gott, gepriesen? mir und der Welt genützt, und jeden Dienst gethan, weil ihn der Herr gebot, nicht weil mich Menschen sah'n?
4. Wie habe ich hierbei mein eigen Herz regieret? Hat mich im Stillen oft ein Blick auf Gott gerühret? Erfreut' ich mich des Herrn, der unser Fleb'n bemerkt? Und hab' ich im Vertrau'n auf ihn mein Herz gestärkt?
5. Dacht' ich bei dem Genuß der Güter dieser Erden an den Allmächtigen, durch den sie sind und werden? Verehrt ich ihn im Staub? Empfand ich seine Huld? Trug ich das Glück mit Dank, den Unfall mit Geduld?
6. Und wie genoß mein Herz des Umgangs süße Stunden? Fühlt' ich der Freundschaft Glück? Sprach ich, was ich empfunden? War auch mein Ernst noch sanft, die Freude unschuldsvoll? und hab' ich Nichts gered't, das ich bereuen soll? 7. Hab' ich die Meinigen durch Sorgfalt mir verpflichtet, sie durch mein Beispiel still zum Guten unterrichtet? War zu des Mitleids Pflicht mein Herz nicht zu bequem? Ein Glück, das Andre traf, war das mir angenehm?
8. War mir der Fehltritt leid, sobald ich ihn begangen? Bestritt ich auch in mir ein unerlaubt Verlangen? Und wenn auch heute noch Gott über mich gebeut, bin ich, vor ihm zu steh'n, auch willig und bereit?
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