Kurzer Unterricht vom Gebete.
2) Mit Demuth, d. h. unser Herz soll mit Reue über unsere Sünden und mit lebhafter Erkenntniß unserer Unwürdigkeit erfüllt sein. Das Gebet des Demüthigen dringt durch die Wolken." Sirach 35, 21.
3) Mit Vertrauen, d. h. wir müssen mit Zuversicht Erhörung unseres Gebetes erwarten. Der heil. Chrysostomus sagt: Wer betet, muß vor Allem Vertrauen haben, und er wird das Begehrte erhalten." Wir dürfen auch gewiß erwarten, erhört zu werden, da Gott uns alles Gute geben kann und um Jesu willen auch wirklich ge= ben will, wie unser Heiland selbst es betheuert hat:, Wahrlich, wahrlich sag Ich euch, wenn ihr den Vater in Meinem Namen um Etwas bitten werdet, so wird Er es euch geben." Joh. 16, 23. 4) Mit Ergebung in Gottes heiligen Willen, d. h. wir sollen es Gott überlaffen, wann und wie Er uns zu erhören für gut findet. Vater nicht Mein, sondern Dein Wille geschehe!" Luc. 22, 42
4
5) Mit Beharrlichkeit, d. h. wir sollen vom Gebete nicht abftehen, obwohl wir keine Erhörung gewahr werden, sondern um so eifriger zu beten fortfahren. Der heil. Gregor sagt:" Sei be= harrlich im Gebete, sei zudringlich im Bitten, und lasse nicht ab im Beten. Wenn es scheint, als höre der Herr dich nicht, so fei ungestüm, daß du den Himmel an dich reißest: sei gewaltthätig, auf daß du dem Himmel selbst Gewalt anthuest. Denn was ist lohnender, als ein solcher Ungestüm, was ruhmvoller, als eine ſolche Gewaltthätigkeit? Wahrlich eine heilsame Gewaltthätigkeit, wodurch Gott nicht beleidigt, sondern versöhnt wird, wodurch der Nächste nicht beschädigt, sondern unterstüßt, wodurch die Sünde vermindert, nicht vermehrt wird.
Gute Meinung vor dem Beten.
Herr, eröffne meinen Mund, um zu preifen Teinen heil. Namen; reinige mein Herz von allen eitelen, verkehrten und zerstreuten Gedanken; erleuchte meinen Verstand, entzünde mein Herz, damit ich würdig, aufmerksam und andächtig mein Gebet verrichten möge, und vor dem Angesichte Deiner göttlichen Majeftät erhört werde. Durch Christus, unsern Herrn. Amen.
O Herr, in Vereinigung mit jener göttlichen Meinung, mit welcher Du selbst auf Erden Gott das Lob dargebracht, bringe auch ich Dir dieses mein Gebet zum Opfer dar.


