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Die harmonische Geschichte
geben.
Auf das Fest aber mußte der Landpfleger nach Gewohnheit dem Volke einen Gefangenen losgeben, welchen sie begehrten. Er hatte
Pilatus zu ihm: Was ist Wahr-| daß des Todes werth sei. Darum heit? Und da er das gesagt, ging will ich ihn züchtigen und los= er wieder hinaus zu den Juden, und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. Und da er berFlagt ward von den Hohenpriestern und Aeltesten, antwortete er nichts. Pilatus aber fragte ihn abermal, und sprach: Antwortest du nichts? Hörst du nicht, wie bart sie dich verklagen? Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort mehr, also, daß sich auch der Landpfleger sehr ver wunderte. Sie aber hielten an und sprachen: Er hat das Volk erregt damit, daß er gelehrt hat hin und her im ganzen jüdischen Lande, und hat in Galiläa angefangen bis hierher.
aber zu der 3eit einen Gefangenen, einen sonderlichen vor andern, der bieß Barrabas, welcher war um eines Aufruhre, der in der Stadt geschab, und um eines Mordes willen in das Gefängniß geworfen. Und das Volk ging hinauf, und bat, daß er thäte, wie er pflegte. Und da sie versammelt waren, antwortete ihnen Pilatus: Ihr habt eine Gewohnheit, daß ich euch einen losgebe auf Ostern; welchen wollt ihr, daß ich euch losgebe, Barrabam oder Jesum, den König der Juden, von dem gesagt wird, er sei Christus? Denn er wußte wohl, daß ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet batten.
denn ich babe heute viel erlitten im Traume von seinetwegen!
Da aber Pilatus Galiläa börte, fragte er, ob er aus Galiläa wäre. Und als er vernabm, daß er unter Herodis Obrigkeit war, übersandte er ihn zu Herodes, welcher in denfelbigen Tagen auch zu Jerusalem war. Da aber Herodes Jesum Und da er auf dem Richtstubl sab, ward er sehr froh; denn er faß, schickte sein Weib zu ihm, und bätte ihn längst gern gesehen, ließ ihm sagen: Habe du nichts denn er hatte viel von ihm ge- zu schaffen mit diesem Gerechten; bört, und hoffte, er würde ein Beichen von ihm sehen. Und er fragte ihn mancherlei; er antwor= Aber die Hohenpriester und Aeltete aber nichts. Die Hobenprie- testen überredeten und reizten das ster aber und Schriftgelehrten stan- Volk, daß fie um Barrabas bitten den, und verklagten ihn bart. sollten, und Jesum umbrächten. Da Aber Herodes mit seinem Hofge- antwortete nun der Landpfleger, und finde verachtete und verspottete ihn, sprach zu ihnen: Welchen wollet ihr legte ihm ein weißes Kleid an, unter diesen zween, den ich euch soll und fandte ihn wieder zu Pilato. losgeben? Da schrie der ganze Haufe Auf den Tag wurden Pilatus und und sprach: Hinweg mit diesem, und Herodes Freunde mit einander; denn aieb uns Barrabam los! Da rief zuvor waren sie einander feind. Pi- Pilatus abermal zu ihnen, und wollte latus aber rief die Hohenpriester und Jeſum loslassen, und sprach: Was die Obersten und das Volk zusam- soll ich denn machen mit Jeſum, den men, und sprach zu ihnen: Ihr habt man Christum nennt? Sie schrieen diefen Menschen zu mir gebracht, abermal: Kreuzige, kreuzige ihn! Er als der das Volk abwendet; und aber sprach zum dritten Mal zu febet, ich habe ihn vor euch verhört, ihnen: Was hat er denn Uebels geund finde an dem Menschen der than? Ich finde keine Ursache des Sachen keine, deren ihr ihn beschul- Todes an ihm; darum will ich ihn digt, Herodes auch nicht. Denn ich züchtigen und loslassen. Aber sie babe euch zu ihm gefandt; und sehet, lagen ihm an mit großem Geschrei, man hat nichts auf ihn gebracht, und forderten, daß er gekreuzigt


