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Lage sehr gefährlich. Die Frömmigkeit und christliche Liebe war erfaltet; Sittenlosigkeit und arge Mißbräuche in allen Ständen waren eingewurzelt; gefährliche Keßereien, eingehüllt in den Schafspelz äußerer Strenge und Abtödtung, verbreiteten sich fast über ganz Europa, und was das Schlimmste war, das Salz der Erde war vielfach schaal geworden, und allen Anstrengungen der damaligen, sonst sehr ausgezeichneten Päpste gelang es nicht, das Uebel bis auf die Wurzel auszurotten.
Da erweckte Gott zwei große Männer und gab ihnen Kraft, die Sünder zur Buße zu rufen, die Keßer wieder in die Kirche zu führen und die Guten zu bestärken und zu gemeinsamer Thätigkeit zu vereinigen. Sie ergossen ihren Geist über viele Jünger und brachten durch Stiftung neuer Orden und Genossenschaften neues Leben in die Völker. Es sind dies die beiden innigst befreundeten Heiligen, der H. Dominikus und der h. Vater Franciscus.
Der h. Vater Franciscus hatte schon zwei Orden, den ersten für das männliche Geschlecht unter dem Namen der Minderbrüder, den zweiten für die Klosterfrauen unter Führung der h. Clara gestiftet und wünschte fortan nur ein einsames, der Buße und dem Gebete geweihtes Leben zu führen. Um aber den Willen Gottes zu erkennen, nahm er demüthig seine Zuflucht zu dem Gebete anderer Freunde Gottes, namentlich der h. Jungfrau Clara und seiner Jünger, der frommen Brüder Silvester, Leo und Massäus. Diese nun erklärten einstimmig, es sei nicht der Wille Gottes, daß er die übrige Zeit seines Lebens in Einsamkeit und frommer Beschauung zubringe, er solle vielmehr den Menschen mit Wort und Werk die Buße zur Vergebung der Sünden predigen.


