Lebensbeschreibung
den Jahren, wollten ein Handwerk lernen lassen, als dem Studieren widmen. Allein ein heimlicher Trieb zu dem Studieren und ein unermüdetes Verlangen, in die lateinische Schule zu gehen, ånderte ihren Vorsatz, und überzeugte sie, daß Gott ihn zu etwas Höherem bestimmt habe. Sie thaten ihn daher in das Gymnasium Andreanum zu Hildesheim, barin er sogleich in die fünfte Klasse geseßt wurde, weil er schon durch eigenen Fleiß die Anfangsgründe der lateinischen Sprache für sich erlernet hatte. Hier wurde er durch den treuen Unterricht des Herrn Director Los und des Herrn Rektor Boså, unter dem göttlichen Segen, in Sprachen und Wissenschaften so weit gebracht, daß er bei dem Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts tüchtig war, die hohen Schulen zu besuchen.
X
S. 10.
Die Universität Helmstädt, welche seinem Vaterlande am nächsten lag, wurde von seinen Eltern erwählet, daß er allda seine Studien fortsetzen sollte. Da aber seine nächsten Anverwandten zu Frankfurt am Main, nåmlich Herr M. Johann Balthasar Starck und Herr Johann Balthasar Ritter, der ältere, beide evangelische Prediger daselbst, deren College er nachher noch in dem Frankfurtischen Ministerium geworden ist, ihn gern in der Nähe bei sich haben wollten, um ihm mit Rath und That an die Hand gehen zu können, so wurde die benachbarte Universität Gießen vorgeschlagen und erwählet, welche er denn auch im Jahr 1702 bezog. Hier genoß er das Glück, rechtschaffene, gottesfürchtige und damals berühmte Lehrer zu hören, unter deren Anleitung er denn Gelegenheit fand, etwas Gründliches zu erlernen. In der Weltweisheit hatte er die Herren Professoren Rüdiger und Lange zu Lehrern, in der hebräischen und chaldaischer Sprache unterwies ihn Herr M. Bürcklin, und in der Gottesgelahrtheit und deren verschiedenen Theilen wurde er sowohl von Herrn D. Johann Heinrich May, als auch von


