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Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg : [nebst] Die Leidensgeschichte Jesu Christi aus den vier Evangelisten zusammengefaßt
Entstehung
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Gebet vor und nach der Beicht. Vor dem Abendmahl.

Ich habe das große Gebot meines Heilandes: liebe deinen Nächsten wie dich selbst, oft und viel durch Gesinnungen, Reben und Thaten übertreten. Ich habe die unseligen Triebe des Stolzes, der Selbstsucht, des Neides, des Zornes und der Rachsucht in mir genährt. Ich war so oft nur auf das meine, nicht auf das was des andern ist bedacht. Ich war sogar gegen die Noth und das Elend meiner Mitmenschen oft gleichgültig und unempfindlich. Ich habe durch Aerger­nisse und durch böses Beispiel, durch leichtsinnige, sündliche Worte und Hand­lungen Unsegen und Unheil gestiftet, und mich an dem Gewissen und Herzen meiner Brüder und Schwestern verfündigt.

Ich bin für die Ewigkeit geschaffen. Aber ach, ich habe das wichtige Gebot meines Heilandes: trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, außer Augen gesegt. Ich habe unter irdischen Geschäften, Genüssen Sorgen und Zerstreuungen die Sorge für das Ewige hintangesept.

Allwissender! ich will bir meine Sünden bekennen, und meine Verschuldungen nicht verhehlen. Ja, Vater, ich habe gesündiget vor dir, und bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße. Erwecke selbst in mir Gefühle der tiefsten Reue und des innigsten Abscheus gegen alles Böse. Laß mich Gnade und Vergebung finden an dem Altar der Beichte, an welchem ich mein verwundetes Gewissen durch den Hinblick auf das Kreuz meines Erlösers heilen will. Komm mir selbst, Herr Jesu, mit deinem holden Worte entgegen: sey getrost! deine Sünden sind dir vergeben. Laß dir, o Gott, die aufrichtigen Gelübde neuer Treue und neuen Gehorsams, welche ich dir darbringe, wohlgefallen, und gib mir Kraft, sie zu erfüllen. Schaffe in mir ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Tröste, erquicke und stärke mich durch deine Hülfe, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Erhöre das Flehen der Demuth und des Glaubens um Jesu Christi willen. Amen.

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Gebet nach der Beicht.

Dankend erhebt sich mein Herz zu dir, dem Gott des Trostes, dem Vater der Barmherzigkeit. Du hast deinen Sohn in die Welt gesandt, die Sünder selig zu machen. Du hast mich, dein reumüthiges Kind, aufs neue beiner alles ver­zeihenden Liebe und Gnade versichert, und den Trost deines Evangeliums von dem gekreuzigten Heiland aller sterblichen Sünder meinem Herzen nahe gebracht. Ich dagegen habe mich dir und meinem Erlöser Jesu Christo aufs neue zum Gehorsam verpflichtet. Befestige in mir diese heilige Entschließung, nach deinem Wohlgefallen zu wandeln. Meine Schwäche und Gebrechlichkeit kennest du, All­wissender. Kräftige mich mit himmlischer Stärke zum Rampf gegen alle Ver­suchungen meines Herzens und der Welt, und mache mich immer aufmerksamer auf die Zucht deines Geistes. Bewahre mich doch davor, daß meine äußere Andacht nicht Heuchelei sey, und daß ich dir nicht mit falschem Herzen diene. Laß mich wachen und beten. Segne mir besonders das heilige Mahl das ich feiern will, zum Wachsthum in der Gnade und Erkenntniß deines Sohnes, meines Erlösers; segne es mir zur Förderung des Fleißes in der Gottfeligkeit, welche die Verheißung hat nicht nur für dieses, sondern auch für das ewige Leben. Amen.

Gebet vor der Abendmahlsfeier.

Gesegnet sev mir die heilige Stunde, in welcher ich das Gerächtniß des Leidens und Sterbens meines Erlösers begehen, und die feierlichfte and rührendste Ver­ficherung von deiner Liebe, himmlischer Vater, empfangen soll! Verkläre durch deinen Geist in meiner Seele die Größe dieser Liebe, die den Eingeborenen für uns alle dahingegeben hat.