Gebet vor der Beicht.
125
bir, daß wir den Weg deiner Gebote halten. Gib uns den Geist des Gebets, um mit Freudigkeit zu deinem Gnadenstühl zu treten, und Barmherzigkeit und Gnade zu finden, wenn uns Hülfe noth ist. Gib durch deinen Geist Zeugniß unsern Herzen, daß wir deine geliebten Kinder seyen, damit wir bei dem Gefühl unseres Elendes nicht zaghaft werben. Giefe deine Gnadenströme reichlich über uns uns, und laß uns durch den Genuß deiner Liebe kräftig angetrieben werden. dich kindlich zu lieben und dir herzlich zu vertrauen. Lieber Vater! hast du uns deinen Sohn geschenket, so wirst du uns mit ihm alles schenken.. Dein Wort ist wahrhaftig, und was du zusagst, das ist gewiß. Deine Hand ist nie zu kurz, uns zu helfen, und deine Liebesquelle vertrocknet nie, uns zu fegnen. Du weißest Mittel und Wege, uns aus jeder Noth zu retten, du kennest uns und weißest, was uns noth thut und heilsam ist.
Herr, es soll unsere Freude seyn, daß wir uns zu dir beständig halten und unser Vertrauen auf dich sezen. Ehe wir rufen, willst du antworten, und wenn wir noch reden, willst du hören. Wir bitten, du gibest uns; wir klopfen an, du thuest uns auf. O daß unser Herz voll deines Lobes wäre, und unser ganzer Wandel davon zeugen möchte! Verschmähe unser armes Lob nicht, das wir dir in unserer Schwachheit bringen. Du wirst uns endlich dahin aushelfen, wo wir ohne Sünde dich ewig preisen können. Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Lob und Preis und Ehre! Amen.
Gebet vor der Beicht.
Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz, prüfe und erfahre, wie ichs meine. Siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und lette mich auf ewigem Wege. Vor dir, o Allwissender, liegen alle meine Gedanken, alle Regungen meines Herzens, alle meine Worte und Werke bloß und entdeckt. Dein Auge schauet in das Innerste meiner Seele. O mein Gott, gib mir das Verderben meiner Seele recht lebhaft zu erkennen, damit ich dich als meinen Arzt fuche, der allein die Wunden des Gewissens zu heilen vermag. Groß und zahllos sind die Wohlthaten, die ich von dir empfangen habe und noch täglich empfange. Aber ach, so oft bin ich gegen die rührenden Beweise deiner Huld und Gnade gleichgültig geblieben, so oft habe ich die Gefühle des Dankes gegen dich in meinem Innern erstickt, so oft bin ich dir, meinem größten Wohlthäter, durch Ungehorsam gegen deine heiligen Gebote, durch sündliche Gedanken, Worte und Werke mißfällig geworden.
Ich bin erlöst und mit dem Blut deines Sohnes erkauft. Aber ach, ich habe es bisher nicht ernstlich bedacht, daß Jesus Christus mich bis zum Tode geliebt und sich selbst für mich dargegeben hat. Ich habe die Größe seiner Liebe und den hohen Zweck seines heiligen Leidens und Sterbens nicht tief genug beherzigt. Ich habe mich meinem Heiland nicht zu seinem Eigenthum hingegeben, nicht ihm, der für mich am Kreuze gestorben ist, sondern mir selbst, meinen Vüsten und Begierden gelebt; ich habe nicht ihn, der für mich geduldet und geblutet hat, sondern die Welt und das was in der Welt ist geliebt.
Dein Geist, o Gott, hat mir bisher auf dem schlüpfrigen Wege so oft die Hand geboten, um mich zum Himmel zu leiten. So oft hat er mein Herz ergriffen, so manche gute Rührung in meinem Innern erweckt, mich so oft auf mein ewiges Heil aufmerksam zu machen gesucht. Aber ach, ich habe die Hand dieses göttlichen Fuhrers zurückgestoßen, ich habe das Werk seiner göttlichen Gnave in mir vereitelt, ich habe die guten Eindrücke die er in mir weckte, turch Leichtsinn und Eitelkeit geschwächt und erstickt, ich habe seine Warnungen und Drohungen, seine Verheißungen und Ermunterungen verachtet. Ich habe muthwillig widerstrebt dem guten Geiste, ber mich Gott und meinem Erlöser heiligen und auf die Ewigkeit vorbereiten wollte!


