Druckschrift 
Étude sur le chant de Vépres
Entstehung
Einzelbild herunterladen

XI

Klangfülle. Nicht umsonst wird sie die Königin aller Instru­mente genannt. Schon ihr schöner Anblick eine zweite

Harfe David's- ihre imponirende Grösse und ihr wunder­voller Bau erhebt und begeistert. Von der zarten, versöh­nenden Flöte bis zur erschütternden, donnerähnlichen Po­saune, wohnen in ihren tausend Stimmen die schönsten Klangfarben und auf dem Winke eines Mannes ertönen sie in einzelnen, so wie in tausenden von Stimmen; immer aber bleiben ihre Klänge ernst, ruhig und kirchlich.

So selbständig die Orgel auftreten kann, so muss sie sich bei Begleitung des Gesanges stets nach der Zahl der Sing­stimmen richten, darf sich niemals herrschend, sondern nur dienend erweisen. Ein zu starkes Orgelspiel macht die Sän­ger schreien und verdunkelt den Gesang; bei einer zu schwachen Begleitung hingegen, sinken die Sänger. Das rechte Mass giebt hier die Erfahrung.

Man sollte meinen, dies Alles sei nicht nöthig zu sagen; es liege ja in der Natur der Sache und sei somit selbstver­ständlich. Leider widerspricht diesem die praktische Aus­führung an gar manchen Orten, und ein handwerkmässiges Treiben tritt nicht selten an die Stelle frommer Begeisterung, welche die Kirche doch unbedingt verlangt und die allein nur dem Gottesdienst den Adel kirchlicher Weihe geben kann. Dass der nachmittägige Gottesdienst, die Vesper, nicht mehr so zahlreich besucht wird wie in frühern Zeiten, wer hat dies zu verantworten?!

« Wer also weiss Gutes zu thun, und es nicht thut, dem is'ts Sünde.» Jac. 4, 17.

-