d
1 II
geht der Schuldbeladene wieder in sich. Andere jauchzen tausendstimmiges Lob, oder mässigen den Ton zu innigem Dank, oder sinken in tiefe, wehmuthsvolle Trauerklänge herab; und wieder einige erfreuen und beruhigen, mit süsser, anmuthsvoller und freundlicher Rede, das Herz. Vom König Daviddem Dichter und Anordner des Psalmengesangesbis auf diese Stunde haben die Völker die Psalmen gesungen. Unser Herr und Meister selbst sang mit seinen Aposteln diese nämlichen Psalmen. Als geheiligtes und unschätzbares Erbgut verwendet die Kirche die Psalmen bei allen feierlichen gottesdienstlichen Verrichtungen. So besteht auch der Haupttheil der Vesper aus Psalmengesang. Woher die Melodien zu diesen erhabenen Worten stammen, ist nicht mit Gewissheit auszumitteln. Manche vermuthen es klingen noch einige Töne aus der Harfe Davids herüber. Wir möchten es gerne glauben. Gewisser aber ist es, dass, Pabst Gregor der Grosseein zweiter David- den Psalmengesang angeordnet und mit feststehenden Melodien den sogenannten Kirchentönen, versehen hat. Ganz gewiss stammen diese Weisen aus dem grauen Alterthume; sie sind so schön und haben eine so passende, abgerundete Form, dass man nichts schöneres und feierlicheres hören kann, als so einen zweichörigen Psalmengesang.
Die Vesper ist sehr sinnreich angeordnet. Die einzelnen Theile, als: Psalmgesänge, Gebete, Antiphonen, oder Zwischengesänge, Verse und Responsorien stehen in enger, geistiger Beziehung zu einander und das stäte Abwechseln dieser Theile belebt gar sehr die Andacht. Da die Anschauungsweise der Vesper wohl Manchem nicht ganz klar sein dürfte, so übergeben wir dem Publikum eine vollständige
-
-
-


