Von der Kraft und Wirkung des Gebetes. 13
mag die ganze Welt wider uns sein: wir beten zu unserm Gott, Herrn und Vater, und er erhöret unsere mit Vertrauen und Zuversicht flehende Stimme, tröstet und rettet uns.
O, welch' eine Seligkeit, daß wir beten dürfen! Welche heilige Freude, welch' Entzücken, welcher Vorgeschmack des Himmels liegt nicht im Gebete! Nun, so wollen wir denn in allen unsern Nöthen und Anliegen uns im Geiste zu Gott wenden, ihm unsere Schicksale und unsere Werke empfehlen; wenn wir des Nachts erwachen, mit ihm auf unserm Lager reden, und wo wir des Tages gehen und stehen, an ihn gedenken und zu ihm seufzen; in unsern Freuden ihm fröhlich danken, bei unsern Kümmernissen im Gebete Trost suchen, und durch das Gebet unser ganzes Leben ihm weihen, und einst in unserer letzten Stunde betend einschlafen.
Alle diese Vortheile gewährt das Gebet; aber wohlgemerkt das würdige, mit Geist und Herz begleitete Gebet. So wenig wir aber aus uns und durch uns selbst fähig sind, das mindeste Gute zu wollen und zu thun, so wenig sind wir im Stande, würdig zu beten, wofern uns Gott nicht seine Gnade dazu verleihet, um welche wir nicht minder, als um alle übrigen Gnaden, demüthig bitten müssen.- Ein Gebet um die Gabe, andächtig zu beten, fiehe sechster Abschnitt.


