Druckschrift 
Christliches Gesangbuch für die evangelisch-lutherischen Gemeinden im Fürstenthum Osnabrück : zum Gebrauche beim öffentlichen Gottesdienste und bei der Hausandacht ; [nebst] Lieder-Anhang zum Osnabrücker Landgesangbuch [und] Gebete [und] Die Episteln und Evangelia [...]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Geschichte des Leidens

Aber sie lagen ihm an mit großem Geschrei, und forderten, daß er gekreuziget würde; und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand.

60

12. Geißelung und Verspottung Jesu.

Da aber Pilatus sahe, daß er nichts schaffte, sondern daß viel ein größer Getümmel ward, gedachte er dem Volke genug zu thun, und urtheilte, daß ihre Bitte geschehe; nahm Wasser, und wusch die Hände vor dem Volke, und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten; sehet ihr zu. Da antwortete das Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder. Da gab er ihnen Bar­rabam los, der um Aufruhrs und Mords willen war ins Gefängniß geworfen, um welchen sie baten; aber Jesum ließ er geißeln, und über­antwortete ihn, daß er gekreuziget würde.

Da nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesum zu sich in das Richthaus, riefen zusammen die ganze Schaar, zogen ihn aus, leg­ten ihm einen Purpurmantel an flochten eine Krone von Dornen, setz­ten sie auf sein Haupt, gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand, beugten die Kniee vor ihm, verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seyst du, der Juden König! Und gaben ihm Backenstreiche, speieten ihn an, nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt.

13. Letztes Verhör und Verurtheilung Jesu.

Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. Also ging Jesus heraus und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin und kreuzi­get ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohne gemacht. Da Pilatus das Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr, und ging wieder hinein in das Richt­haus, und spricht zu Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich macht habe, dich zu kreuzigen, und macht habe, dich los zu geben? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum, der mich dir überantwortet hat, der hat es größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn los ließe. Die Juden aber schrieen, und sprachen: Läsfest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht: denn wer sich selbst zum Könige macht, der ist wider den Kaiser.

Da Pilatus das Wort hörete, führte er Jesum heraus, und setzte sich auf den Richtstuhl, an der Stätte, die da heißt Hochpflaster, auf Hebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in Ostern, um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Sehet, das ist euer König! Sie schrieen aber: Weg, weg mit dem, kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König, denn den Kaiser. Da über­antwortete er ihn, daß er gekreuziget würde.