1050
Gebet eines Kranken.
und mich von aller Unreinigkeit der Welt zu entfernen. Hast du aber beschlossen, den Lauf meines Lebens durch diese Krankheit zu endigen, und mich vor deinen Richterstuhl zu fordern: so sebe mein Herz in eine solche Verfassung, darinnen wir, wie allezeit, also vornehmlich zu der Zeit, uns billig befinden müssen, wenn du uns von hier abrufest. Reiße mein Herz ganz los von der Erde, und laß meine Sehnsucht nur nach den Gütern der Ewigkeit gerichtet sein. Denn was hat die Welt, das mich an sie fesseln sollte? Es ist wahr, die, an welche mich so starke Bande knüpfen, gehen mir nahe. Doch auch deinem Sohne lagen die Seinigen bei seinem herannahenden Abschiede am Herzen. Er liebte sie allezeit, er liebt: sie bis ans Ende. Da er jeßt seinen Geist in deine Hände befehlen wollte, so sorgte er noch liebreich für seine Mutter. Soll ich die Meinigen verlassen, so verlasse du sie nicht. Ich werde mich dann nicht, wie bisher, ihrer ferner annehmen. Aber du lebest immer und ewiglich. Sei du ferner ihr Bater, ihr Berather, ihr Beschützer und Helfer. Laß sie bei meinem Hingange nicht weinen als solche, die keine Hoffnung haben, sondern dadurch besonders erweckt werden, so lange sie hier noch streiten müssen, sich täglich zu ihrer Veränderung zu bereiten. Bringe du mich indessen selbst immer mehr in die heilige Fassung, daß du mir ungleich lieber bist, als alles, was ich auf Erden lieb habe. Versiegele mich auf den Tag der Erlösung. Gieb neue Stárke meinem Glauben, meiner Liebe und Hoffnung, daß ich diese. Welt ohne Kummer verlassen, und mit Freuden aus derselben gehen möge.


