Druckschrift 
Schwarzburg-Rudolstädtisches Gesang-Buch für die öffentliche und häusliche Andacht : [nebst] Gebete ... [und] Episteln und Evangelien auf alle Sonn- und Festtage des ganzen Jahres [und] Antiphonien
Entstehung
Einzelbild herunterladen

62

Episteln und Evangelien.

war dem Hohenpriester bekannt, und ging mit Jefu hinein in des Hohenpriesters Palast. Petrus aber stand draußen vor der Thür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus, und redete mit der Thürhüterin, und führte Petrum hinein.

Es standen aber die Knechte und Diener, und hatten ein Kohlenfeuer gemacht danieden im Palaste: denn es war kalt, und wärmeten sich. Petrus aber stand bei ihnen und wärmete sich, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte: die magd aber des Hohen­priesters, die Thürhüterin, sah Petrum bei dem Lichte, da er sich wärmete, und sah eben auf ihn, und sprach: Und du warst auch mit dem Jesu von Galiläa; bist du nicht auch dieses Menschen Jünger einer? Er leugnete aber vor allen, und sprach: Weib, ich bin's nicht, ich kenne sein nicht, ich weiß auch nicht, was du sagest.

Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger, und um seine Lehre. Jesus antwortete, ich habe frei und öffentlich geredet vor der Welt; ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammen kommen, und habe nichts in Winkel geredet. Was fragst du mich darum? Frage die darum, die mich gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, die­felbigen wissen, was ich gesagt habe. Da er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei standen, Jesu einen Backenstreich, und sprach: Sollst du dem Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es unrecht sei. Habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich? Hannas hatte ihn gebunden gesandt zu dem Hohenpriester Caiphas.

Simon Petrus aber stand, und wärmete sich. Und über eine kleine Weile, nach dem ersten Verleugnen, als er hinaus ging nach dem Vorhofe, krähete der Hahn. Und eine andere Magd sah ihn, und hob abermal an zu sagen denen, die dabei standen: Dieser war auch mit dem Jesu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger einer? Und ein anderer sprach: Du bist auch der einer. Und er leugnete abermal, und schwur dazu, und sprach: Mensch! ich bin's nicht, und ich kenne auch des Men­schen nicht. Und über eine kleine Weile, bei einer Stunde, be­träftigte es eine andere mit denen, die da standen, und sprachen: Wahrlich, du bist ein Galiläer, denn deine Sprache verräth dich.

Spricht des hohenpriesters Knecht, ein Gefreundeter des, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm? Da fing er an, sich zu verfluchen, und zu schwören: Ich kenne des Menschen nicht, von dem ihr saget. Und alsbald, da er noch redete, krähete der Hahn zum anderenmale. Und der Herr wandte sich und sah Petrum an. Da gedachte Petrus an das Wort Jesu, als er zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zwei­mal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen, und ging hinaus, und weinete bitterlich.

Die Hohenpriester aber, und die Aeltesten, und der ganze Rath, suchten falsch Zeugniß wider Jesum, auf daß sie ihm zum Tode hülfen, und fanden keines, wiewohl viele falsche Zeugen herzu traten; denn ihre Zeugnisse stimmeten nicht überein. Zuletzt stan­den auf und traten herzu zween falsche Zeugen, und gaben falsche Zeugnisse wider ihn und sprachen: Wir haben gehöret, daß er sagte: Ich kann und will abbrechen den Tempel Gottes, der mit Händen gemacht ist, und in dreien Tagen einen anderen bauen,