Druckschrift 
Der studirende Jüngling in seinem Wandel und Gebet : ein Lehr- und Gebetbuch / von Joseph Frey. Mit bischöfl. Approbation
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Worin der studirende Jüngling sich üben soll.

25

( Marc. XI, 24.) Es sei beharrlich, weil Gott, um dich zu prüfen, und das Verlangen nach göttlicher Hülfe in dir noch reger zu machen, dich nicht immer augenblicklich erhört.

So bete denn, christlicher Jüngling, und erhebe voll kindliden Vertrauens dein Herz zu Gott, der deine Schwachheiten alle fennt, und so gerne dir helfen will; ermüde nicht in dieser Hl. Uebung und lasse nicht ab, bis du Erhörung gefunden. Das Gebet sei deine Waffe gegen den bösen Feind; es sei deine Stüße, wenn du wankest; es sei der Grund deiner Hoffnung, dein Pilgerstab durch die­ses Jammerthal.

§. 3. In der Abtödtung.

Der Gedanke, dich abtödten und verläugnen zu müssen, erfüllt dich vielleicht mit Furcht und Ban­gigkeit. Du stellst dir jene schauerlichen Bußübun­gen vor, wie du sie in dem Leben der Heiligen gelesen, oder wie sie in den erdichteten Erzählungen geschildert werden: strenges Fasten bei Wasser und Brod, lange und beschwerliche Nachtwachen, härene Kleider, eiserne Bußgürtel und blutige Geißelungen. Dies sind die Schreckbilder, die vom Streben nach Tugend dich noch abhalten, und deine gänzliche Hingabe an Gott verzögern. Aber beruhige dich; solche Abtödtungen fordert man von dir nicht, ob­gleich Gerechtere und Unschuldigere als du, sie geübt haben. Nur was zu deiner Heiligung und sittlichen Vervollkommnung unumgänglich nothwendig ist, will ich dir empfehlen, und du wirst es selbst ein­gestehen müssen, daß deine Ansicht hierüber irrig gewesen, und daß Abtödtung und Selbstverläugnung wesentliche Bedingungen sind für christliches, tugend­haftes Leben. Zuerst mußt du, christlicher Jüng­ling, wissen, was Abtödtung, was Selbstverläug­