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ausgearbeitet), zählt deren 363, das neue Hessische Gesangbuch 490( von Seminardirektor Professor Schwabe in Friedberg entworfen), das neue Gesangbuch der vereinigten Bremischen Gemeinden 502, das neue Schlesische( von Senior Treblin in Breslau bearbeitet) 642, der Weimar'sche Entwurf( an welchem Kirchenrat Hesse, Professor Lipfius u. a. thätig waren) 690, der Entwurf für die Kgl. Sächsische Landeskirche( hauptsächlich von Geh. Kirchenrat Ahlfeld verfaßt und erst in diesem Jahre fertig gestellt), 899 Lieder.
Wer die Entwickelung der Gesangbuchsliteratur seit etwa 35 Jahren verfolgt, bemerkt als wesentliche, immer mehr hervortretende Charakterzüge, daß man in der Anordnung der Lieder an Stelle eines künstlichen Schemas den natürlichen Gang des Kirchenjahrs und kirchlich- religiösen Lebens zu Grunde legte, und daß man gegen die Klassiker unseres Kirchenlieds in der Behandlung ihrer aus der Tiefe des Herzens und hoher dichterischer Begeisterung geflossenen Lieder mehr Pietät und Respekt bewies. Dies ist ersichtlich aus einem der ersten Gesangbücher dieser neueren Periode, dem Württembergischen, wie aus den neuesten kirchlichen Liedersammlungen, die wir oben erwähnt haben.
Unser gegenwärtiges Landesgesangbuch leidet an dem Fehler, daß es, um seine vorher festgestellten, nach Art eines Lehrbuchs angeordneten Rubriken auszufüllen, eine ziemliche Anzahl kirchlich und dichterisch fast wertloser, teilweise geschmackloser Lieder aufgenommen hat, und daß es mit der Bearbeitung der schönsten und besten, in der ganzen evangelischen Kirche bekannten und gesungenen Lieder, der eigentlichen Perlen unsres großen, evangelischen Liederschages, im Geschmack seiner Zeit, oft recht schonungslos umgegangen ist. Letzteres geschah in vielen noch nachweisbaren Fällen im Widerspruch mit dem ursprünglichen


