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5)( Ref. Ges. Nr. 115, Luth. Ges. Nr. 81, Kernl. 2.)
1. Wie soll ich dich empfangen,
o Jesu, meine Zier!
o aller Welt Verlangen,
wie gerne will ich dir
mein Herz zum Tempel weihen!
Nur zeige du mir an, womit ich dich erfreuen, wie ich dir dienen kann.
2. Dort streut dir Zion Palmen; wird nicht mein Herz gerührt? Es zeigt durch frohe Psalmen, waß es für Regung spürt. Dich, Herr, soll es erheben, denn dir gebühret Ruhm, dir soll es Ehre geben, dies Herz dein Eigentum. 3. Nichts hast du unterlassen zu unsrer Seligkeit, als wir im Staube saßen, gebeugt vom schwersten Leid. Da mir das Reich genommen, wo Fried und Freude lacht, bist du, mein Heil, gekommen und hast mich froh gemacht.
4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß. Du hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut, daß sich nicht läßt verzehren, wie irdscher Reichtum thut.
5. Was hat dich, Herr, getrieben, dich, den kein Himmel hält, als nur dein teures Lieben, womit du diese Welt
bei ihren lauten Klagen, bei ihrer Jammerlast,
bei ihren tausend Plagen so fest umfangen hast.
6. So jauchze nun von Herzen,
du hochbetrübtes Heer!
Bei denen Gram und Schmerzen sich häufen immer mehr, seid unverzagt, erblicket die Hilfe vor der Thür; der euer Herz erquicket und tröstet, stehet hier.
7. Sollt euch nun noch erschrecken der Sünde schwere Schuld? Nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern zu wahrem Trost und Heil, macht sie zu Gottes Kindern und Gott zu ihrem Teil.
8. Laßt eure Feinde drauen, weicht darum nicht zurück, der Herr wird sie zerstreuen in einem Augenblick. Er kommt, der große König! der Nächer eilt geschwind! stürzt, Feinde! die zu wenig zum Widerstande sind.
9. Du kommst zum Weltgerichte, verklärter Menschensohn, in majestätschem Lichte! und mit dir kommt dein Lohn. Geh auf, o wahre Sonne! und leucht in vollem Glanz, erfüll mit ew'ger Wonne das Herz der Deinen ganz.
Paul Gerhardt( 1607- 1676).


