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Paul Gerhardts Geistliche Lieder.
standen. Die nächste Ausgabe der Praxis melica, die 1661, also während des Berliner Aufenthalts unfres Dichters erschien, enthielt noch fünf weitere Lieder, worunter das Kernlied: ,, Geduld ist euch vonnöthen".
Die erste Gesammtausgabe aber ließ Joh. Georg Ebeling, der dem J. Crüger 1662 im Amt gefolgt war, in den Jahren 1666 und 1667 unter dem Titel erscheinen: ,, Pauli Gerhardi Geistliche Andachten, bestehend in 120 Biebern". Diese Ausgabe erschien in zehn Folioheftent und war mit neuen sechsstimmigen Melodieen geziert". Sie brachte unter andern neu die schönen Lieder: Der Tag mit seinem Lichte", Die güldne Sonne"," Du bist zwar mein", ,, Gieb dich zufrieden", Ich bin ein Gast auf Erden". Reine der spätern Gesammt- Ausgaben hat seitdem ein neues Lied von Gerhardt gebracht, denn aus seiner Lübbener Zeit sind, wie schon erwähnt, keine Lieder von ihm mehr auf uns gekommen. Denn elf andre Lieder, die wir im Anhang noch mittheilen, sind zu verschiednen Zeiten seines Lebens gedichtete Casualien.
Die Ebelingsche Ausgabe aber erlebte noch zwei Auflagen, welche 1669 und 1683 erschienen. Sodann erschien 1700 zu Eisleben bei Andreas Clajus eine Ausgabe. Darauf folgte 1707 die bekannte, 1717 und 1723 erneuerte Ausgabe des Consistorialraths Dr. Feustting. An diese schließt fich die letzte der ältern Ausgaben, die 1708 zu Augsburg vom Pfarrer Dr. Treuner veröffentlicht wurde. Dann erschien über ein Jahrhundert keine neue Ausgabe mehr. Das rationalistische achtzehnte Jahrhundert konnte einem so glaubenskräftigen Sänger eben keinen Geschmack abgewinnen. Endlich erschien 1821, zur Zeit wo die ersten Funken des neu erwachenden Glaubensfeuers über unser Vaterland hinflogen, ein neuer Abdruck von Gerhardts Liedern, welchen Olshausen und Lanzizolle zu Wittenberg drucken ließen. Daran schließen sich die von uns schon erwähnten, sehr gebiegenen historisch- kritischen Ausgaben von Langbecker, Otto Schulz, Bachmann und Gerok, und endlich die nach unsrer Ansicht beste von Dr. R. E. P. Wackernagel besorgte Ausgabe,*) deren letzter Abbruck nach des Herausgebers Tode 1874 zu Gütersloh erschien.
Die von uns hiermit der Lesewelt dargebotne Ausgabe macht auf neue Text- Kritik keinen Anspruch, denn wir wollen nicht dem Bedürfnis der gelehrten Welt, sondern dem des deutschen Volkes dienen. Deshalb haben wir uns auch kein Gewissen daraus gemacht, hie und da veraltete Ausdrücke unsres Dichters in die moderne Umgangssprache umzusehen. Das Alterthümliche in den Liedern aber haben wir aus
*) Zuerst 1843 bei S. G. Liesching in Stuttgart erschienen.


