Einleitung.
Der Geburtsort Paul Gerhardts ist das kleine Städtchen Gräfent= hainichen in der jetzigen preußischen Provinz Sachsen. Dort erblickte er am 12. März 1607 früh um 4 Uhr, nicht wie man bei früheren Literarhistorikern allgemein angegeben fand, 1606*) das Licht der Welt
und zwar in dem angesehensten Hause des Städtchens, denn sein Vater war daselbst nichts Geringeres als Bürgermeister. Auch von mütterlicher Seite durfte er sich einer guten Abstammung rühmen. Denn seine Mutter stammte aus dem Geschlecht des M. Gallus Döbler, der 1570 als Hosprediger zu Dresden starb. Indessen scheint es, daß er sich nicht lange der Fürsorge seines Vaters zu erfreuen hatte. Denn sichre Nachrichten lassen darauf schließen, daß er denselben im elften Jahre durch den Tod verlor. Auch verließ er seinen Geburtsort schon in seinem sechszehnten Jahre, um die durch die Frömmigkeit ihrer Lehrer und die Strenge ihrer Zucht mit Recht berühmte Fürstenschule zu Grimma zu beziehen, wo er sich vom 4. April 1622 bis zum 12. December 1627 aufhielt. Während der Zeit, die er dort zubrachte, wurde die Stadt durch die Pest heimgesucht, welche gerade in den Häusern grassirte, die der Schule am nächsten lagen. Dadurch mag unser Dichter gar ernste Mahnungen für sein künftiges Leben empfangen haben.
Noch viel tiefer aber wirkte auf seinen Geist und sein Herz sein Aufenthalt auf der damals als Sit strenger lutherischer Orthodorie bekannten Universität Wittenberg, wo er am 2. Januar 1628 als Student aufgenommen worden war. Über den Geist, der damals auf dieser Hochschule herrschte, berichtet uns der berühmte Dr. Aug. Tholuck: Bis in das dritte Decennium des 17. Jahrhunderts ist Wittenberg
*) Das Nähre über sein Leben liest man am besten in folgenden vier Werken nach: 1) E. L. G. Langbecker: Leben und Lieder von Paul Gerhardt. Berlin 1841. 2) Dr. Otto Schulz: Paul Gerhardts Geistliche Andachten. N. A. Berlin 1869. 3) 3. F. Bachmann: Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Historisch- kritische Ausgabe. Berlin 1866. Derselbe: Paul Gerhardt, Ein Erinnerungsblatt. Berlin und Leipzig 1876.
4) Karl Gerok: Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Mit Einleitung und Lebensabriß. Leipzig 1879.
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