mustergültigen und anregenden Vorbilder finden sich, wenn ich an das näher liegende deutsche Kirchenlied denke, im siebzehnten, wenn ich den fernerstehenden lateinischen Hymnus betrachte, gar im fünfzehnten Jahrhundert, sind also von unserem modernen Denken und fühlen durch eine breite Kluft getrennt. Was dazwischen liegt, war stets entweder aus dem Glauben geboren, ein Kirchenlied habe jedes Bild, jede Wendung, jedes Gefühl zu meiden, das nicht sofort ein beliebiger vom Markte oder von der Straße Berufener a prima vista zur Zufriedenheit und erschöpfend eregefieren könne, was dem Kirchenliede als Lied, ja als poetisches Gebilde bedingungslose Kapitulation zumuten hieß; oder es war dem wenn auch unbestimmten und unbewußten Gefühle entsprossen, das Kirchenlied habe sich in allem unserer modernen verweichlichten Lyrik zu verähnlichen und sei am besten dann geraten, wenn es sich durch bloße Vertauschung der heiligen Namen und Personen, an die es sich wendet, ohne weiteres zu einem Erotikon gestalten lasse. Geister, die einmal an diese Armenkost gewöhnt sind, vertragen die solide und gehaltvolle Nahrung des alten Kirchenliedes nur, wenn sie in entsprechender Verdünnung gereicht wird. Jst eine Bewegung zum Besseren hierin überhaupt vorhanden, so ist sie jedenfalls schwach, erschrickt vor ihren eigenen Konsequenzen und dürfte in
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