Druckschrift 
Häusliches Erbauungsbuch, enthaltend Morgen- und Abendgebete auf zwölf Wochen sowie Gebete für Fest- und Feiertage, Beichte und Abendmahl und für besondere Fälle des Lebens in Freud und Leid / von Roos, Storr, Arnold, Bengel, Bogatzky u.a.
Entstehung
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zum rechten Gebrauch dieses Gebetbuchs.

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Jesu Christo an uns gethan hat: das ist ein rechtes Gebet. Und wer dieses alles aus einem Gebetbuch sich zueignet, und es von Herzen nachspricht vor Gott, der betet von Herzen aus dem Gebetbuch.

6. Frage. Wie lernt man aber auch ohne Buch aus dem Herzen beten?

Antwort. Das muß dich der heil. Geist lehren. Luther sagt: Wiewohl das nicht zu leugnen ist, daß man mit dem Munde beten soll, so muß man doch vielmehr mit dem Herzen beten geistlich. Denn das Gebet ist ein Aufsteigen des Herzens zu Gott. Die Worte sind die Leiter und Sprossen, aber die Stimme ist das Gerüste zur Leiter. Darum habe ich gesorgt, die meisten Menschen beten nicht, sondern sie plappern nur anderer Leute Gebete, nicht anders als wie ein Buch eines andern Schrift und Wort in sich hält und selbst todt ist ohne Verstand, oder wie eine Orgel pfeift den Chorgesang, den sie selbst nicht versteht. Also spricht der Herr zu Mose 2 Mos. 14, 15.: was schreiest du zu mir? Nun schreiet aber Moses gar nicht, sondern war stumm vor großem Fürchten. Der heilige Geist aber, der das Seufzen versteht, der sagt, daß ein groß Geschrei sei. Ein solches Gebet ist Gott sehr angenehm, welches geschiehet in der äußersten Noth, und wenn die Gefahr am größten ist, da fast alles verloren ist. Das ist das unaussprechliche und ge­waltige Seufzen, damit sich die Gottseligen selbst aufwecken wider die Verzweiflung, daß sie einen Muth fassen und sagen: nun muß es dennoch nicht so sein, wir werden dennoch nicht verderben.

Ein solch Gebet ist ein sehr angenehmes Opfer, das da wohl riechet. Es ist ein klein gering Seufzen, aber es reichet beide mit Geruch und Geschrei vor Gott hinauf in Himmel, daß Gott dadurch erwecket wird zu helfen.