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Evangelisch-lutherisches Gesangbuch der Hannoverschen Landeskirche : [nebst] Gebete [und] Lektionar
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202 Die Geschichte des Leidens, Sterbens und der Auferstehung

der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und redete mit der Thürhüterin und führte Petrum hinein. Es hatten aber die Knechte und Diener ein Kohlfeuer gemacht danieden mitten im Palaft, denn es war kalt, und wärmeten sich. Petrus aber setzte sich mitten unter sie und wärmete sich, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte.

Aber der Hohepriester fragete Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete: Ich habe frei öffentlich geredet vor der Welt, ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zu­sammenkommen und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragest du mich darum? Frage die darum, die gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe, siehe, dieselbigen wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei stunden, Jesu einen Backenstreich und sprach: Solltest du dem Hohenpriester also antworten? Jesus ant wortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es Unrecht sei; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich? Und Hannas hatte ihn gebunden gesandt zu dem Hohenpriester Caiphas.

Die Hohenpriester aber und die Ältesten und der ganze Rat suchten falsch Zeugnis wider Jesum, auf daß sie ihn zum Tode brächten, und fanden feines, wiewohl viele falsche Zeugen herzutraten; denn ihre Zeugnisse stim­meten nicht überein. Zulegt traten herzu zween falsche Zeugen und sprachen: Wir haben gehöret, daß er fagte: Ich kann und will den Tempel Gottes, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. Ihr Zeugnis stimmete aber noch nicht überein. Und der Hohepriester stund auf unter fie und fragte Jefum und sprach: Antwortest du nichts zu dem, das diese wider dich zeugen? Jesus aber schwieg stille und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermal, und sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seist Christus, der Sohn des hochgelobten Gottes? Jesus sprach: Du sagest es, ich bin es; doch sage ich euch: von nun an werdet ihr sehen des Menschen Sohn siten zur rechten Hand der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert, was bedürfen wir weiter Zeug nis? Siehe, jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehöret, was dünket euch? Sie aber verdammten ihn alle und sprachen: Er ist des Todes schuldig. Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn und speieten ihn in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten, etliche aber verdeckten ihn, und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht und sprachen: Weissage uns, Christe, wer ists, der dich schlug? Und viel andere Lästerung sagten sie wider ihn. Simon Petrus aber war,( wie vorhin erzählt worden,) draußen im Palast; da kam des Hohenpriesters Mägde eine, die Thürhüterin, und da fie Petrum unter den Knechten bei dem Feuer sahe, schauete sie ihn an und sprach zu ihm: Und du warst auch mit dem Jesu aus Galiläa. Er aber verleugnete vor ihnen allen und sprach: Weib, ich bins nicht, ich kenne ihn nicht, ich weiß auch nicht, was du sagest. Und er ging hinaus in den Vor­hof; und der Hahn frähete. Und als er zur Thür hinausging, jahe ihn nebst der vorigen auch eine andere Magd, die sprachen zu denen, die dabei stunden: Dieser war auch mit dem Jesu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger einer? Und ein anderer sprach: Du bist auch der einer. Und er leugnete abermal und sprach: Mensch, ich bins nicht, und schwur dazu: Ich kenne des Menschen nicht. Und über eine kleine Weile bei einer Stunde bekräftigte es ein anderer, mit denen, die dabei stunden, und sprachen; Wahrlich, du bist auch der einer, denn du bist ein Galiläer