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Evangelisch-lutherisches Gesangbuch der Hannoverschen Landeskirche : [nebst] Gebete [und] Lektionar
Entstehung
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unsers HErrn und Heilandes Jesu Christi.

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Und alsbald, da er noch redete, kam Judas, der Zwölfen einer, da er hatte zu sich genommen die Schar und Diener der Hohenpriester und Pha­risäer, der Ältesten und Schriftgelehrten, ging vor ihnen her und kam dahin mit Fackeln, Lampen, mit Schwertern und mit Stangen. Als nun Jesus wußte alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus sprach zu ihnen: Ich bins. Judas aber, der ihn verriet, stund auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bins, wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermal: Wen suchet ihr? Sie aber sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe ich gesagt, daß ichs ſei; suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen. Auf daß das Wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe der keinen verloren, die du mir gegeben haft. Der Verräter aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ists, den greifet und führet ihn gewiß. Und alsobald trat er zu Jesu, ihn zu küssen, und sprach: Gegrüßet seist du, Rabbi, und küssete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du kommen? Juda, verräteft du des Menschen Sohn mit einem Kuß? Da traten sie hinzu und legten die Hände an Jesum und griffen ihn.

Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: HErr sollen wir mit dem Schwert drein schlagen? Da hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es aus und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein recht Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Jesus aber antwortete und sprach: Lasset sie doch so ferne machen. Und zu Petro: Stecke dein Schwert in die Scheide, denn wer das Schwert nimmt, der soll durch das Schwert umkommen. Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also geschehen. Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Und rührete sein Ohr an und heilete ihn.

Zu der Stunde sprach Jesus zu den Hohenpriestern und Hauptieuten des Tempels und den Ältesten, die über ihn kommen waren: Ihr seid als zu einem Mörder mit Schwertern und mit Stangen ausgegangen mich zu fahen; bin ich doch täglich bei euch gewesen und habe gelehret im Tempel, und ihr habet keine Hand an mich geleget. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis, auf daß die Schrift erfüllet werde. Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Und es war ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand gekleidet auf der bloßen Haut, und die Jüng­linge griffen ihn; er aber ließ die Leinwand fahren und flohe bloß von ihnen.

Zweite Abteilung.

Das Leiden Jesu vor dem geistlichen Gerichte.

Die Schar aber und der Oberhauptmann und die Diener der Juden nahmen Jesum und banden ihn, führeten ihn aufs erste zu Hannas, der war Caiphas Schwäher, welcher des Jahrs Hoherpriester war. Es war aber Caiphas, der den Juden riet, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Und sie führeten ihn zu dem Hohenpriester Caiphas, dahin alle Hohenpriester und Schriftgelehrten und Ältesten sich versammelt hatten.

Simon Petrus aber folgete Jesu von ferne, und ein anderer Jünger bis an den Palaft des Hohenpriesters. Derselbe Jünger war dem Hohen­priester bekannt und ging mit Jesu hinein in des Hohenpriesters Palast Petrus aber stund draußen vor der Thür. Da ging der andere Jünger