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Trutznachtigall / von Friedrich Spee. Erneut von Karl Pannier
Entstehung
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Spee, Truznachtigall.

3u gleicher Zeit, zu gleicher Frist In tausendviel Oblaten

Auf einmal vielmal einer ist:

Heil, der Wunderthaten!

Vom Glauben nur wird's zwar erkannt, Der Sinn giebt sich verloren;

Nicht kann es greifen Aug' und Hand, Verstand kann's nicht durchbohren.

Doch wer's unvorbereitet nimmt, Ich sag's mit wahren Worten, Der freche Hochmut führt beſtimmt Ihn zu der Hölle Pforten. Hingegen, wer sich prüft zuvor Und dann das Mahl genießet, Dem alsobald sich Thür und Thor Zum Leben weit erschließet.

Wohlan denn, laßt uns dies Gericht In Demut hoch verehren, Demütig Hals und Angesicht Zur Erde niederkehren.

Laßt Heiligtümer und Moustranz Weil sie die Ketzer höhnen

Mit manchem schönen Blumenkranz Nach alter Andacht krönen.

Laßt uns mit zartem Rosmarein Die Rosen rot vermählen, Die Lilien auch mit binden ein, Die Nelken auch nicht fehlen. Laßt Straßen uns und Gassen all Erfrischen allerwegen

Mit lindgestreutem Blätterfall Und trocknem Blumenregen.

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