Druckschrift 
Trutznachtigall / von Friedrich Spee. Erneut von Karl Pannier
Entstehung
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Spee, Truhnachtigall.

6.

Es soll aber der Leser gute Acht geben, daß er im Lesen keinen Buchstaben oder Silbe zusetze oder auslasse, damit die poetische Zahl oder Maß der Verse nicht verändert und der Schall und Klang unartig werde. Denn keine Silbe zu viel oder zu wenig ist, wenn nur im Abschreiben oder im Druck nichts verfehlet ist. Darum merke wohl, ob exempelweise geschrieben sei:

drauf

drum

ging

treib

Kreuz

Tags

gehn

stehn

oder:

darauf darum

7.

ginge

treibe

11

Kreuze

Tages

gehen

stehen

und dergleichen andere Wörtlein, welche jeweilen eine Silbe ausmachen und ein ander mal zwei.

Was aber die Quantität, Mensur oder Maß an Kürze oder Länge der Silben angeht, so wird dieselbe am füg­lichsten genommen aus gemeinem und bewährtem Brauch der recht und wohl redenden Deutschen, also daß hier ein delikat oder zart Gehör von Nöten ist und Akzentsurteil. Denn in gemeiner Sprache die Silben für lang gehalten werden, auf welche der Akzent fällt, und die anderen für kurz. Zum Exempel: Bruder hat zwei Silben, die erste ist bei den Deutschen lang, denn ein Deutscher sagt ja nicht: Brudér u. s. w. Doch muß man in den trochäischen Versen ( will es rund bekennen) zu Zeiten nachsichtig sein und die Aussprache etwas glimpflicher lenken nach dem Sprung