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Andachten und Erweckungen
mahl alles dasjenige, was in dem allgemeinsten Verstande Dazu gehöret, in einer bestimmten Ordnung in sich fassen müsse. Die meisten Gebetsformeln, die wir in der heilis gen Schrift finden, sind kurz und von verschiedenem Inhalte, und auch das Muster, das Jesus seinen Jüngern gegeben hat, ist so beschaffen; Bald kann man sich vor, nehmlich mit der Anbetung und dem Lobe Gottes, bald mit Danksagung für seine Wohlthaten, bald mit Bits ten um Gnade und Hülfe, bald mit Fürbitten für andere Menschen beschäftigen.
Die Dritte. man bilde sich nicht ein, daß lauter auserlesene Ausdrücke, oder daß eine gewisse künstliche Beredsamkeit dazu erfordert würde, um auf eine Gott wohlgefällige Weise zu beten. Nein, Aufrichtigkeit und Ernst machen hier die Hauptfache aus. Wir haben es mit einem Gott zu thun, der nicht auf Nebendinge, die vielleicht nicht einmal in unserer Gewalt find, sondern blos auf das Herz des Betenden sieht.
Die vierte. Ist man sehr zur Zerstreuung geneigt, so bete man, um sich vor derselben zu bewahren, mit laus ter, oder lieber, um allen Schein oder Heucheley zu vers meiden, mit vernehmlicher Stimme, nicht blos in Gedans ten, sondern mit deutlich ausgedrückten Worten: Man bediene sich in eben dieser Absicht zuweilen guter Gebets. formeln, damit man etwas vor sich habe woran man seine Aufmerksamkeit binden könne; Hieben ist aber nöthig, daß man diese Gebetsformel vorber, blos zum Unterricht, durchlese, so wie man etwa eine andere erbauliche Schrift liest, alle Gedanken und Ausdrücke, die darin vorkommen, wohl zu verstehen suche, sie sorgfältig mit seinem gegen. wärtigen Zustande vergleiche, sie entweder in Gedanken, oder auch schriftlich, je nachdem es sich für eines jeden bes fondern Bedürfnisse und Umstände schickt, abåndere; sich dieselben dadurch zu eigen mache, bey dem Gebrauche derselben mehr an die Sachen als an die Worte halte, und sich nicht zu oft eben derselben Gebetsformel bediene, damit sie einem nicht gar ju qeläufig werde, und man sich nicht dadurch gewöhne, Worte herzusagen bey wel chen man wenig oder nichts denfet.
Die fünfte. Man sey nicht damit zufrieden, daß
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