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Gesangbuch zum gottesdienstlichen Gebrauche der Reformirten Gemeinden
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Andachten und Erweckungen

ich also unruhig klagen oder ångstlich sorgen? was kann ich Besseres thun, als zu dir aufsehen, dem Gott, der da hilft, und der es nie böse meynen kann. Da haft mich bisher so väterlich geleitet, mir so manche Freude gewäh­ret, und mehr Gutes an mir gethan, als ich bitten und verstehen konnte. Auch mit allem dem, was mir jemals Leid, Unruhe oder Schmerz verursacht hat, hast du es immer weislich gewendet. Gott, das alles erkennet meine Seele wohl! ich bin zu gering aller deiner Barms herzigkeit, und meine Seele ist stille zu dir, ohne dessen Willen und Leitung mir nichts begegnen kann! auch das wirst du wohl machen. Stärke mich in diesem dankbaren, dir ergebenen und vertrauenden Sinn. Füge sonst es mit der Dauer und mit dem Ausgang meiner Krankheit, wie es dein våterlicher Wille ift. Ich weiß nicht, welches bess fer für mich und meine Verbindungen in der Welt seyn möchte, ein langes oder kurzes Krankenlager, das Leben oder der Tod. Wähle du für mich! auf dich trau ich! nur lehre mich in meiner, vielleicht noch ganz kurzen, Lebenszeit, meine Seeligkeit mit ganzem Ernst schaffen. Wie ich diese Zeit bisher angewendet habe, wie ich mit den mir verliehenen Kräften und Gelegenheiten zum Gu ten umgegangen bin, wie ich gegen alle meine Nebenmens schen gewesen bin, wie ich mein Herz und mein Leben rein von lafterhaften Neigungen und Gewohnheiten zu bewahren gesucht habe, wie werth mir die Religion gewes fen, und wie treu ich in ihrer Erkenntniß und liebung ge wesen bin: das ist die ernsthafte Ueberlegung, die ich jetzt anzustellen habe. Gieb, daß ich sie weder scheuen, noch leichtsinnig damit zu Ende eilen und mir die Tröstuns gen des Evangeliums Jesu Christi fälschlich zueignen möge. Auch für mich ist freylich bey dir viel Vergebung; Auch mir willst du Barmherzigkeit wiederfahren lassen; Es ist doch aber auch gar zu gewiß, daß ich mit den Gesinnun­gen, die ich mit mir aus dieser Welt nehme, in der zus fünftigen fortleben werde, und wie meine Aussaat ist, so auch die Erndte für mich seyn wird. Stets sey mir also der Zuruf Jefu Chrifti erinnerlich: Seelig sind, die reines Herzens sind, die Friedfertigen, die Sanftmüthigen, die ein aufrichtiges Verlangen haben, gut zu seyn, und so

nach