VII
an den frommen Bether.
soll. Desto dfter und inniger aber soll sich mein Herz zu Dir erheben, und in kindlicher Einfalt mit Dir reden. Ich darf nicht erst auf Worte sinnen; sondern darf mit Dir reden, wie ein Kind mit seinem Vater, wie ein Freund mit dem andern. Und das sollte mir schwer ankommen? Dir, mein bester Vater, Wohlthäter und Freund! sollte ich nichts zu sagen wissen? Dir nicht meine Hochschäßung und Liebe bezeugen kön Habe ich Dir denn nichts zu danken? nichts Habe ich abzubitten? nichts von Dir zu hoffen? Dir kein Anliegen vorzutragen, seinen Trost bey Dir zu suchen?
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Gott! wie muß ich mich schämen, daß ich so we= nig Lust am Bethen habe; daß ich oft nur aus Zwang, aus Gewohnheit dem Schein nach bethe, aber mit den Gedanken ganz anderswo bin, und selbst nicht weiß, was ich sage; oder Dir meine Gebethe gleichsam vor: zähle, und mehr darauf sehe, wie viel, als wie gut ich gebethet habe.
Ach! ich erkenne und liebe Dich eben noch allzuwes nig, mein himmlischer Bater! Deiner täglichen Wohls thaten bin ich schon gewohnt, die größten Gnaden, die wahren Güter, die Du mir bereitest, weiß ich nicht genug zu schäßen, und fühle auch nicht viel Verlangen darnach; was mir das Angenehmste seyn soll, ist es mir oft am wenigsten; es dringt immer nur das Zeits liche, das Gegenwärtige vor. Darum wird es meinem Herzen so schwer, sich von der Erde gegen den Himmel, vom Sichtbaren zu dem Unsichtbaren zu erheben; darum hat es so wenig Eifer zum Gebeth, so wenig Andacht dabey.
Wann werde ich doch einmal diese Trägheit über


