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Erinnerung und Trost für Unfruchtbare.
Wenn Gott Eheleute ohne Kinder sein läßt, daß sie wie Abraham sagen: Herr! was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder, 1. B. Mos. 15, V. 2, so sollen sie 1) denken, daß die Ursachen der Unfruchtbarkeit bei beiden Eheleuten natürlich sein können. Wenn nun Gott diese Gabe nicht in ihre Natur gelegt hat, so sollen sie deßwegen mit Gott zufrieden sein und wissen, daß er doch darum ihr gnädiger Gott ist, der ihnen gewogen sei. Wie viele Bäumlein zieren nur den Garten, und tragen doch keine Früchte, und man hat dieselben doch gerne im Garten stehen. So sind auch unfruchtbare Eheleute Gottes liebe Kinder, ob sie gleich andern an Fruchtbarkeit nicht gleich sind. 2) Sollen sie sich erinnern, daß Kinder eine Gabe des Herrn sind; wen er diese Gabe nicht geben will, der soll darum nicht wider Gott murren, noch übel dazu sehen. Ist diese Vorenthaltung des Ehesegens Gottes gnädiger Wille, so haben solche Eheleute eine Probe ihrer Geduld, Gelassenheit und Hoffnung zu beweisen. 3) Unfruchtbarkeit ist kein Zeichen des Zorns Gottes; denn daß Gott nicht zornig über sie sei, sollen sie daraus entnehmen, weil es ihnen Gott an andern Wohlthaten nicht fehlen läßt. 4) Es sollen unfruchtbare Eheleute daran denken, daß Gott auch hierin ihnen eine besondere Gnade erweise, und ihres Leibes und Gemüths Zustand besser erkenne, als sie selbst, denn obgleich viele Ehefrauen die Kinder lieb haben, so findet sie hoch Gott vielleicht zu schwach zur Geburt, oder zur Crzichung der Kinder. 5) Besonders aber sollen sich Cheleute ja wohl hüten, daß sie keine Kinder von Gott mit Murren und Grämen und mit ungeduldi


