Druckschrift 
Blumen aus Tirol : ein Büchlein zur Erbauung und Unterhaltung / gesammelt von einem Priester der Diözese Brixen
Entstehung
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22 Heil. Nothburga, Dienstmagd.

Unrecht gethan. Kommt und ziehet wieder auf mein Schloß, und wohnet daselbst. Ich will mich allweg bestreben, den letzten Wil­len meines Herrn Vaters und meiner Frau Mutter, und meiner seligen Frau Ottilia ge­treu zu vollziehen, und Euch halten als meine Schwester und liebe Freundin. Zugleich melde ich Euch, daß ich Willens bin, mit der edeln und frommen Jungfrau Margaretha von Ho­heneck in den heiligen Chestand zu treten. Als Nothburga dies hörte, und ihren ehemaligen Herrn und Gebieter vor sich auf dem Boden knien sah, fing fie an zu weinen, und rief: ,, Gestrenger Herr Graf, was thut Ihr doch, stehet auf, ich bitte Euch. Wisset, daß ich meine alte Herrschaft geliebt habe immerdar, und so Ihr es verlanget, will ich wieder in Euer Schloß als Dienstmagd gehen."

Sie nahm nun Abschied von dem Bauers manne, der sie ungern gehen ließ, und nach­dem sie im Rupertus- Kirchlein dem lieben Gott für alle Gnaden und Wohlthaten ge dankt hatte, zog sie wieder nach Rottenburg auf das Schloß. Als die armen Leute hör­ten, Nothburga sei wieder auf dem Schlosse, und werde von dem Herrn Grafen Heinrich, dessen Sinn sich gewendet habe, in hohen