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Die heilige Passion : gefeiert in Liedern, Betrachtungen und Gebeten / hrsg. von dem Christlichen Vereine im Nördlichen Deutschland
Entstehung
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fie erkennen freilich, daß sie kaum mit ihrer Liebe gegen ihren himmlischen Bräutigam einen Anfang gemacht haben. Sie wissen wohl, daß ihre Begier­den dem nassen Holze gleichen, welches nicht recht Feuer fangen, sondern nur glimmen und rauchen will. Doch sie wissen auch und trösten sich damit, daß die Liebe ihres Liebsten so groß ist, daß sie auch ihre Schwachheiten und Mängel duldet und überwindet, und daß Er es gern hört, wenn sie über ihr kaltes, mattes und liebloses Herz seufzen:» Dies ist mein Schmerz und kränket mich, daß ich nicht g'nug kann lieben Dich, wie ich Dich lieben wollte. Ich werd' von Tag zu Tag entzünd't; je mehr ich lieb', je mehr ich find', daß ich Dich lieben sollte; von Dir laß mir Deine Güte ins Gemüthe lieblich fließen, so wird Liebe sich ergießen.«<

Gebet.

O Herr Jesu! Du ewiger Sohn Gottes! der Du bis zum Tode uns geliebet und je näher dem Tode, desto feuriger die Strahlen Deiner Liebe haft hervorleuchten las sen! Was hast Du doch an uns gesehen, weßhalb Du uns nicht nur geliebet, sondern so herzlich und in­brünstig geliebet, daß Du alles Leiden für Freude und alle Schmach für Ehre und Deine Dornenkrone für einen Bräutigamskranz geachtet haft. Erwecke doch auch in mir ein solch herzliches Verlangen nach Dir, wie Du nach mir und meiner Seele bezeiget hast. Habe aber auch Geduld mit meiner natürlichen Trägheit und Kaltsinnigkeit. Deine Liebe ist zu groß und mein armes Herz zu klein, so daß ich einen so großen Strom in ein so kleines Herz nicht faffen kann. Deine Liebe ist uns einfältigen, armen Kindern zu hoch, wir können sie nicht erkennen und begreifen. Ach! gieb mir ein weites, großes, weises Herz, daß ich recht viel darein zu fassen vermöge, denn ich begehre nichts anderes, als nur Dich allein zu ge nießen. Ich suche nur Dich, meinen Gnadenstuhl, mei­nen Erlöser, meinen Fürsprecher, und in Dir Ruhe und