Morgen und Abendgebet am Freitage.
Morgengebet am Freitage.
Gott, du bist mein Gott, früh wache ich zu dir, es dürstet
meine Seele nach dir. Denn deine Güte ist vor meinen Aus gen, und deiner Barmherzigkeit hab' ich's zu danken, daß ich abermal das Tageslicht erblicket habe. Herr, was ist der Mensch, daß du dich sein so annimmst? Und des Menschen Kind, daß du ihn so achtest? Du läsfest deine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten: ach! daß ich nicht unter die Zahl der Undankbaren und Boshaften gehören, und deine Langmuth nicht mißbrauchen, sondern dir, meinem Schöpfer und Erhalter, mit rechtem Ernst dienen möchte. Erhalte meis nen Gang auf deinen Fußsteigen, daß meine Tritte nicht gleis ten. Behüte meinen Mund, und bewahre meine Lippen. Bewahre mich, daß ich nicht bösen Beispielen folge, sondern meine ganze Gesinnung nach der Anweisung deines Wortes einrichte. Laß mich diesen Tag in meinem Christenthum nicht ab, sondern zunehmen. Lehre mich wachen und beten, auf daß ich nicht in Anfechtung falle, noch auf eine Thorheit ges rathe. Das gute Werk, das du in mir angefangen hast, volls führe bis an den Tag Jesu Christi, und wirke in mir beide, das Wollen und das Vollbringen dergestalt, daß ich im Glaus ben nicht schwach, und in Uebung der Gottseligkeit nicht lau werde, sondern mit Wahrheit sagen könne: ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Mit dem, was meine zeitliche Wohlfahrt betrifft, mache es so, wie du nach deis ner unendlichen Weisheit erkennest, daß es zu deiner Ehre und meinem Heil dienlich sey. Willst du mich durch Kreuz prüfen, so verleihe mir dazu Muth und Stärke des Glaus bens, Geduld, Gelassenheit, und die Hoffnung, daß mir durch deine Vorsehung alle Dinge zum Besten dienen müssen.
Tröste mich wieder mit deiner Hülfe, und dein freudis ger Geist treibe die Traurigkeit aus meinem Herzen. Auf dich, Herr, Herr, sehen meine Augen, ich traue auf dich! Amen.
13
Abendgebet am Freitage.
Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen
Landen! Heilig, heilig, heilig bist du, Herr Zebaoth! Alle Lande find deiner Ehren voll. So soll dir nun auch aus meis nem Munde ein Lob bereitet werden: meine Lippen und meine Seele, die du erlöset hast, sind fröhlich, und preisen dich


